Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 21. Mai 1932 (Weimar, Ansichtskarte)


Weimar, den 21.V.32.  M. L!  Die Goethegesellschaft hat das Glück gehabt, in mir den dummen cand. theol. zu finden, der die Sonntagnachmittagspredigt übernahm. Bei schwach besetztem Hause u. schönem Wetter habe ich heut im Theater die Rede gehalten, die mir so ungeheuer viel Zeit u. Kraft gekostet hat. Mehr als 100 Besucher soll man abgewiesen haben, da man versäumt hatte, eine Kasse einzurichten; der ganze Thüringer Rundfunk muß das Geschlurf des Orchesters u. Chaos mit anhören, die sich gerade im Höhepunkt meiner Rede hinter dem Vorhang sammelten. Ein zweifelhaftes Stück, das Ganze. - Du hast wohl inzwischen Nachricht, daß Susannes Vater an s. 80. Geburtstag gestorben ist. Die 3 Töchter hofften noch mit ihm zu feiern, trafen ihn aber nicht mehr lebend. - Ich bin nicht sehr auf der Höhe. Hoffe von <li. Rand> Dir besseres. Herzlichste Grüße Dein Ed.