Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 3. September 1932 (Partenkirchen)


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Nicht mehr Oberstdorf, (!) sondern Partenkirchen
3.IX.32.
Mein innig Geliebtes!
Nicht ohne Sorge sind meine Gedanken Dir gefolgt. Ich hoffe zwar, daß Du gestern gut und ohne zu große Anstrengung heimgekommen bist. Aber die Frage, wer für Dich sorgt, wenn solche kleinen Zwischenfälle eintreten, beschäftigt mich doch sehr. Möge die Meinung der Frau Doktor, daß trotzdem etwas Erholung erreicht ist, nicht ganz unbegründet sein!
Die Fahrt - besonders bis Reutte - war wieder sehr interessant. Die Bahn steigt bis auf 1000 m. Die Luft nahm mich ziemlich mit, weil ich sehr hungrig war. In Reutte, Hirsch, habe ich dann mal erst gevespert. Der Ort war mir genau so widerlich mit s. Staub, Radau, Fliegen etc. wie vor 19 Jahren. Die Möglichkeiten
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| der Umgegend kann ich jetzt besser beurteilen. Im Hause war ich nicht erwartet, nicht einmal vom Hausmeister. Aber ich habe wieder das Zimmer 22, in dem ich vor 16 Jahren anfing. Frau W. geht es leidlich, Felizitas trotz Katharrh [über der Zeile] !? gut. Gestern Abend war wieder drückende Gewitterluft; heut ist es absolut klar. Das Bild ist doch viel schöner, und vielleicht die Luft doch erfrischender. Natürlich kann man das nicht vergleichen. Von den 3 Briefen, die ich hier schon erhalten habe, füge ich den einen im Original bei. Vielleicht sendest Du ihn mit Deiner Meinungsäußerung zurück. Caecilie habe ich geschrieben und ihr Schleichs "besonnte" Vergangenheit geschickt. Falls ich hier in eine produktive Situation gerate, bleibe ich doch wohl bis Sonntag. Mit Felizitas habe ich sofort Pläne geschmiedet. Ich hoffe sehr auf gute Nachrichten von Dir und grüße Dich in Dankbarkeit und Liebe. Grüße mir auch den Vorstand. "Das Haus" grüßt natürlich auch. Dein Eduard.