Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 10. September 1932 (Partenkirchen)


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Partenkirchen, den 10. Sept. 32
Mein innig Geliebtes!
Ich habe heut schon 10 Briefe geschrieben und werde noch weiter so dabeibleiben müssen, weil jetzt die Berliner Post sehr viel umständliche Dinge (z. B. mindestens 5 Vortragsaufforderungen bringt.) Da mußt Du Dir genügen lassen an einigen zurückerbetenen Originalen u. den nötigsten Nachrichten. Ich reise morgen früh nach Berlin u. nehme einen von Felizitas an ihre Mutter und mich vererbten Schnupfen nebst leichtem Husten mit. Die Atemknappheit ist bei dem nicht ganz regelmäßigen Herzzustand recht störend. Es ist hier, abgesehen von einem Tag mit Gewitterregen, nicht nur sommerlich, sondern fortdauernd sehr heiß gewesen. Dreimal war ich in Mittenwald, einmal allein, einmal via Elmau mit Felix (ab 8 Uhr, Ankunft 1 Uhr), und gestern Nachm. mit ihr auf der Aschauer Alm. Der Herzzustand von Frau W. ist mir recht beunruhigend, obwohl sie sehr tapfer ist.
Die Linnert hat mir einen liebenswürdigen Brief mit den besten Segenswünschen geschickt.
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| Ich will ihr ganz kurz versöhnlich antworten. Solch ein Prozeß ist ja nur Zeit- u. Geldvergeudung. - Der Vögelerkonzern bittet mich um einen Vortrag zur Hauptversammlung in Düsseldorf 27.XI. Ich überlege noch. Solchen dummen politischen Schwindel wie Du da schreibst, darfst Du Dir nicht einreden lassen. Du siehst doch jetzt auch, daß Nazis ganz sozialistisch werden, und das liegt dem Zentrum insofern, als es natürlich christl. Geist in die Wirtschaft bringen möchte. Daß die bisherige Wirtschaft nicht funktioniert, sieht wohl jeder. Die Frage ist nur, ob man sie heut abkurbeln darf oder nicht erst mal wieder - unter ständiger Staatsaufsicht - ankurbeln soll.
Die D'Haussonville wird sich mit Prof. Siegfried Kähler, jetzt Halle verheiraten, der sich mir gegenüber nach protestantisch-christl. Art sehr schlecht benommen hat und mir überhaupt zuwider ist. Mit Frau Kerschensteiner treffe ich mich morgen noch am Hauptbhf. Wittings lassen natürlich grüßen. Ich freue mich, daß es Dir besser geht.
Viel herzliche Wünsche u. Grüße
Dein
Eduard.

[] Apropos - Arnthal-Fall II: In Mittenwald in einem Laden traf ich die - Croner!!!