Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 14. April 1932 (Heidelberg)


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Heidelberg. 14. April 1932.
Mein Liebstes,
seit gestern bist Du in Regensburg und natürlich sollte Dich dort eigentlich ein Brief von mir empfangen. Ich sehe das Hotel, die Lage der Stadt noch deutlich vor Augen und besonders denke ich an die nächtliche Fahrt von Kehlheim! Ob dort heute auch solch herrlicher Frühlingstag war? Ich möchte es wünschen, denn selbst im Zimmer fühlt man es wohltuend.
Ich hatte persönlich einige Unannehmlichkeiten - "Tücke des Objekts" und außerdem kämpfe ich seit gestern gegen eine Infektion. In dem Seifenladen hat eine Bauersfrau mit solcher ländlichen Ungezwungenheit gehustet und geprustet, daß man der Gefahrzone nicht entgehen konnte. Das hat sich innerhalb von 24 Stunden prompt bei mir gezeigt. - Als ich neulich die 3 Stunden in Wind und Kälte am Europäischen Hof stand, war ich überzeugt, daß ich sehr fühlbare Nachwirkung davon haben würde. Aber garnichts hat sich gezeigt - eine neuer Beweis für meine verachtete Theorie!
Die Karte von Susanne hat mich sehr gefreut. Es war lieb von Dir, mir Nachricht geben zu lassen - und besonders hübsch war die Übereinstimmung der politischen Wünsche. Jetzt nun - das Reichsverbot! Ist es denn erhört! Wie seltsam sich die gleichen Dinge wie nach mechanischen Gesetzen immer wiederholen! Aber hemmen kann es die Entwicklung der Dinge nicht. Sehr schön ist der Aufruf Hitler's heute im V.B. - und ebenso der Dank nach der Wahl. Seine S.S. und S.A. hängt an ihm und keine Polizei kann sie ausrotten! Und sein Wort: "er sei grenzenlos Stolz, ihr Führer zu sein", muß ja wie ein Adelsbrief
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| wirken. Es ist wunderbar, wie der Mann stets das rechte, echte Wort findet. Das kann man nicht erkünsteln, das ist in ihm.
Liebes Herz, es ist mein Wunsch, jetzt als Antwort auf das Reichsverbot Parteimitglied zu werden. Bist Du damit einverstanden? Ich möchte es keinesfalls tun, wenn Du es nicht billigtest. Darum frage ich Dich "aufrichtig"!
Von Paula Seitz bekam ich eine Schrift des Hans Grimm (Über bürgerliche Ehre und Notwendigkeit) die zwar in Stil und Ausdruck etwas schwerflüssig, aber von Gesinnung sehr sympathisch ist. Es hat mich beim Lesen etwas der Neid gefaßt, wenn mir dabei bewußt wurde, wie dieser Mann in unabhängiger Ruhe seiner Ausweitung und Berührung mit dem Leben nachgehen kann - wenn ich an Dein gesetztes, zwangsläufiges Arbeiten denke.
Es ist mir ein lebhafter Wunsch, wenn auch die näheren Umstände Eurer Hochschulverhandlungen immer geheim sind, doch wenigstens zu wissen, ob Du dabei von produktiver Arbeit befriedigt bist. Und mit wem Du hier und dort zu tun hast, für wen Du im August in München redest - all das wüßte ich gern. Der Telegrammstil ist ja gut, aber manchmal garzu knapp, und Du mußt doch bedenken aus wie wenigen Daten sich meine Anteilnahme ein Bild konstruiert.
Gestern war der Vorstand mit Bankdirektor Mathy's bei mir, was immer sehr gemütlich ist. Sie sind im Gegensatz zur Generalin und ihrer Tochter, mit denen Aenne doch lebt, Gesinnungsgenossen. Morgen werde ich in kleinem Kreise bei Frau v. Campenhausen zum Thee sein. - Weißt Du noch, daß Du wegen der Billigung Deiner Rundfunkrede durch Pinder an einen Abbau von Brüning dachtest? Ich beklage Hindenburg, und möchte ihm wünschen, daß der Tod ihm ein tragischeres Schicksal ersparte! -
<li. Rand>
Sei mit innigen, treuen Wünschen gegrüßt von Deiner Käthe.