Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 18. März 1933 (Berlin)


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18. März 33.
Mein innig Geliebtes!
Immer habe ich Dir noch nicht gedankt für das Kästchen, das zu Deinem Geburtstag kam. Gebraucht habe ich so etwas den ganzen Winter. Eine kleine Büchse, die ich dazu verwandte, war, glaube ich, auch von Dir gekommen. Vorläufig braucht man ja keine Watte gegen die Kälte in die Ohren zu stecken, höchstens gegen den Lärm. Ich möchte über die öffentlichen Angelegenheiten heut nicht schreiben. Erstens bin ich zu deprimiert, zweitens nimmst Du mir die Sachen zu naiv, und drittens: wer weiß, wann bei Dir Haussuchung gehalten wird?
Aber über die Reisepläne müssen wir heut endlich Verabredungen treffen. Und da bitte ich Dich gleich im voraus innig, daß Du nicht auf meinen Besuch in Heidelberg bestehst. Es kommt dann nämlich vor lauter Zersplitterung garnichts Erholendes
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| heraus. Ich muß ein paar Stunden in Bonn bleiben und mindestens einen halben Tag in Mainz. Für Baden-Baden habe ich 2 Nächte angesetzt. Ob ich dann erst nach Zürich gehe oder von der Reichenau aus eine Tagesfahrt dorthin mache, weiß ich noch nicht. Jedenfalls wäre es mir sehr lieb, wenn Du unabhängig von meinen schwankenden Terminen schon allein etwa am 1. April nach der Reichenau gingest und mich dort erwartetest. Du kannst dann schon dafür sorgen, daß wir die alten Zimmer bekommen und daß der elektrische Ofen für meins hervorgeholt wird.
Vor dem 27. mittags komme ich aus tausend Gründen hier nicht fort. Es ist zwar manches „wegen der Zeitverhältnisse“ einfach gestrichen worden, so der Vortrag in Breslau und der über den Arbeitsdienst im Ministerium. Aber ich muß noch mehrere Mss. vollenden, und die Schar derer, die mich sprechen wollen, wird jeden Tag noch größer. Auch Fleißprüfungen müssen noch abgehalten werden. Kurz, es ist mehr zu tun als im Semester.
Ich verschiebe alle, z. T. recht interessanten
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| Berichte auf das erhoffte Wiedersehen. Nur das will ich noch erzählen, daß ich im Zuge von F.hafen wieder den Kittel, diesmal mit Frau, traf, und daß ich das Hollchen besucht habe und das Würmchen also schon mit 4 Wochen kennen gelernt habe.
Schreibe mir bitte noch hierher, wann Du abzureisen gedenkst. Denn Du mußt unter allen Umständen auf die Reichenau, auch wenn mich - wider Erhoffen - zum Schluß noch etwas fernhalten sollte. Ich werde Dir dann m. Abreisetag mitteilen. In Baden-Baden werde ich vermutlich im Hôtel Terminus wohnen. Falls es Dein Gepäck nicht zu sehr belastet, nimm doch eine Decke mit. Dann brauche ich sie nicht den ganzen Rhein mit hinaufzuschleppen.
Ich wünsche, daß es Dir gut geht und daß Du Dich vor Erkältungen in Acht nimmst. In größter Vorfreude grüßt Dich (und den Vorstand, der mich entschuldigen muß)
als Dein
Eduard.