Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 25. April 1933 (Dahlem)


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<dieser Brief ist aus Bähr, wie dort abgedruckt incl. Kursivschrift und Auslassungszeichen (–), aber ohne Seitenzahlen und Anmerkungen, übernommen>
<25. April 1933>
Rektor beginnt mit Widerspruch: man müsse drinbleiben, um Schwerstes zu verhüten. Ich solle Urlaub nehmen. Sofort widerlegt: das bedeute jetzt Selbstanklage. Er ist nach kurzem von der Richtigkeit meiner Stellungnahme überzeugt und unterläßt seitdem Einwendungen. Mehrfache Telephongespräche. Auf meine Angelegenheit bezüglich. – Auf meinen Wunsch mit Staatssekretär Lammers, ob er mich sofort empfangen wolle. Bereit um ¾ 12.
¾ 12 Uhr bei Staatssekretär A. Lammers.
Schreibtisch ohne Spuren amtlicher Tätigkeit. Begegnung freundschaftlich wie stets.
Bemerkenswert: keine Spur der Überraschung, kein Versuch des Abratens bei Bekanntgabe meines Wunsches, daß er mein Rücktrittsgesuch persönlich überreiche. –
Er, Lammers (ein verständiger Kopf, sehr sachkundig, aber ohne Initiative), sehe voraus: es folge der politischen Revolution die religiöse Revolution, die soziale Revolution!
Gestern Abend habe er ein Gespräch mit von Papen gehabt. (Ich erzähle von unserem Besuch bei ihm in Universitätssachen – erfolglos, weil verständnislos.) Lammers: er sei auch ganz einflußlos. Gehalten von Hindenburg. Aufgabe: Internationale Kongresse zu bereisen. – Gefahrvolle außenpolitische Situation.
Ich verpflichte Herrn Lammers, daß keine entstellte Pressenotiz herauskomme, sondern daß mein Initiativgesuch zuerst in die Zeitung komme (nicht etwa: ich hätte wegen politischer Gefährdung meiner Person vorgebeugt; er habe mich dann beurlaubt). Ähnliche Vorsichtsmaßregeln waren mit dem Rektor vereinbart; aber Frist müsse man lassen.
Herr Lammers verspricht, erste Gelegenheit am gleichen Tage zur Überreichung zu benutzen, und stellt persönliche Aussprache in seiner Wohnung in Aussicht. – Ev. Forderung: diesen Skandal in persönlicher Audienz bei Hitler darzustellen. –