Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 1. Mai 1933 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, 1. Mai 33.
Mein innig Geliebtes!
Du darfst jetzt keine Briefe von mir erwarten. Meine Kraft reicht gerade aus für die täglich notwendigen neuen Aktionen und für die Verwindung unsagbar schmerzlicher Stunden.
Die Angelegenheit ist längst nicht mehr nur meine Angelegenheit. Die Presse ist voll davon. Stöße von Briefen kommen wie zum 50; ebenso schöne Blumen.
Eben steht es nun so, daß ich wegen der Gesinnungsschweinerei bei den von mir Angegriffenen bis an die höchste Stelle gehe. Das kann für die Gesamtentwicklung von großer Bedeutung werden. Weist man es ab, so ist es ein übles Zeichen.
Du hast keine Vorstellung, was ich durchgemacht habe. Aber ich bleibe dabei: es mußte sein und ich mußte es.
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Behalte mir nur bitte Geduld. Nimm an, ich wäre jetzt im Kriege und es herrschte Postsperre.
Mit steten innigem Gedenken
Dein
Eduard.

[] Ein Hakenkreuzgeziertes Blatt schreibt: wir können 5000 Studenten entbehren, aber nicht einen Professor Sp.