Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 10. Oktober 1933 (Dahlem, Postkarte)


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Dahlem, 10.X.33.  M. L! Ich kann im Zeitgedränge Dir nur ein kurzes vorläufiges Lebenszeichen geben. Danke sehr für Deinen l. Brief u. die wirklich schöne Äußerung von Caecilie [über der Zeile] <mit Bleistift, unklar ob von ES oder fremder Hand:> Hermine. - Unmittelbar nach m. letzten Brief an Dich aus Åbo haben sich noch sehr merkwürdige Dinge begeben. Sie sind hier nur anzudeuten: Ich werde in Stockholm am 2.XI. einen wichtigen Vortrag halten. Überfahrt nach Schweden war in der Mitte der Nacht ein bißchen unruhig. Stockholm sehr schön. War bei unsrem Gesandten v. Rosenberg,
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| im Freiluftmuseum (bei herrl. Naturstimmung), bei Festessen der Deutschen Gesellschaft. Dann Rückreise, wobei besonders die Schiffahrth nach Rügen interessant. - Zu Hause angekommen, seltsames Malheur: ein Spatz war in m. Arbeitszimmer geflogen, beim Scheuchen fiel er hinter die Bücherregale, blieb jämmerlich gefangen. Am nächsten Morgen mußte der Tischler den einen Teil ganz abnehmen, um das erschöpfte Tier unter dem Sockel hervorzujagen. Unnötiger Zeit- u. Geldverlust. Viele Besuche, darunter gestern Hans Günther, der wieder allerhand Neues wußte. G - is verläßt den Posten. Heut Nachm. kommt Heinrich Scholz mit Frau. Regine Strümpell u. wohl auch Felizitas werde ich nicht sehen können. Morgen um 18 fahre ich nach Bremen. Am 12.X. Wilhelmshaven, am 13. Mürwik, am 14. Kiel, wo ich mit Flitner über die von Litt geführten Verhandlungen sprechen werde. Sonntag hoffe ich wieder hier zu sein. Meine Schüler werden z. T. jetzt noch pensioniert oder zurückversetzt. - Ich habe Dir, glaube ich, nicht geschrieben, daß Anna Benary, die ältere Tochter (Lehrerin) gestorben ist. Auch ein Opfer. Ist es wahr, daß Oesterreich beurlaubt ist?? Nimm für heut mit diesem Gruß vorlieb. Es verschiebt sich jetzt jeden Tag allerlei. Innigst Dein <li. Rand> Eduard.