Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 5. Dezember 1933 (Berlin, Postkarte)


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5.XII.33.  M. L!  Ich sollte längst geschrieben haben und wünschte es zu können. Aber diese Woche ist schrecklich besetzt: Außer der Vorbereitung auf 4 verschiedene regelmäßige Gegenstände noch das fünfte: morgen ein Sondervortrag, von dem heut spät abends so gut wie nichts da ist. Dazwischen ständige Sonderbesprechungen und
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| Konferenzen - meist rein privaten, schützenden Charakters. Es geht also nicht, und Du mußt Nachsicht haben. Die Depressionen nehmen mit gutem Grunde zu, steigern sich ins Lähmende. Heinrich Maier hat einen schönen Tod gehabt. Er hat bis ¼ 2 gearbeitet. Um 2 war er tot. Die Beerdigung hat in absoluter Stille stattgefunden. Ich war auch nicht dabei. Wohl ihm! Du hast doch wohl geschrieben: Grunewald, Plönerstr. 1. - Meine einzige Freude ist Marja; wenn ich zu Hause bin, reden wir oder spielen wir von ½ 9 bis 9. Das ist so lieblich und zugleich so geistig bewegt, wie man es garnicht glauben sollte. Ich halte das für providentiell: es soll mich aufrecht halten. Aber ich bin vom kleinen täglichen Dienst sehr angestrengt. Du wolltest mir einen Rat geben wegen Oesterreichs. Was für ein törichtes Empfindlichtun. Und dann <li. Rand> die andere Wunde: Frau Rohde. Ende der Woche muß ich die Fortsetzung des Aufsatzes für die Int. Zeitschr. f. Erz. wiss. schreiben. <Kopf> Hoffentlich bleibt doch eine ½ Stunde für einen Brief.
Herzliche Grüße todmüde Deine Eduard.