Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. Dezember 1933 (Berlin/Dahlem)


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<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem=Dorf
Fabeckstr. 13>
23.12.33.
Mein innig Geliebtes!
Es tut mir leid, daß durch das "Deutsche Christentum" des Dr. Winter eine alte Tradition zerschnitten wird. Aber so ist es ja überall. Und es ist auch mal ganz wohltuend, am Heiligen Abend nicht durch Städte und Straßen ziehen zu müssen. Ich werde Deiner sehr gedenken. Für mich entsteht ja am 1. Feiertag ein ähnliches Vacuum. Vielleicht fahre ich nach Stahnsdorf.
Gestern war ich bei Frau Benary, heut will ich zu Frau Matejat. Auf morgen freut sich wenigstens einer im Hause ganz sichtbar und hörbar. Wir werden erst den offiziellen Kaffee veranstalten - mit 9 Personen diesmal, ihn aber früh schließen und dann die eigentliche Weihnachtsfeier mit Baum
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| halten: Frau Bon, Marja, Susanne und ich, ev. noch Frl. Wingeleit.
Die Tage sind natürlich unruhig, anstrengend und zerrissen. Ich werde nicht noch einmal schreiben. Sondern wir verabreden schon heut: Du fährst von H. so ab, daß Du am 28. Dez. um 17.07 in Weimar eintriffst. Sollte ich nicht am Zuge sein (was dann vernünftige Gründe hätte), so nimmst Du Dir einen Gepäckträger und ein Auto nach dem Hôtel "Elefant" (ca 1,30 M). Bin ich dort auch noch nicht, so habe ich einen späteren Zug wählen müssen.
Die Bilanz bleibt bei Erwägung aller Umstände leider überwiegend negativ. Es ist zu viel gesundes Leben zerstört worden.
Aber darüber mündlich. Ich kann Dir heut nur diesen kurzen Gruß senden, der Dir sagen soll, daß ich im stillen Weihnachten mit Dir feiere und in alter Treue bin und bleibe
Dein
Eduard.