Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 27. April 1933 (Heidelberg)


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Heidelberg. 27. April 33.
Mein Liebstes,
habe Dank für die Nachricht, die ich heute mit der zweiten Post bekam. Du wirst Dir denken, wie sehr ich darauf gewartet habe.
Vorgefühlt habe ich diese Zeit damals, als ich Dir in leidenschaftlicher Sorge schrieb: es geht nicht gegen diesen Strom. Damals glaubte ich noch, es fehle nur an den besseren Mitarbeitern, um ihn in gesundere Bahnen zu lenken. Und wer wäre dazu berufener gewesen als Du!
Jetzt wird es sich inzwischen wohl schon anders entschieden haben. - Immer mehr kommt mir zum Bewußtsein, was alles an Konsequenzen sich aus Deinem Schritte ergibt! Ganz und gar bin ich der Meinung Frankes, daß er in den beteiligten Kreisen großen Eindruck machen wird. Ob er viel Nachfolger findet, zweifle ich. Aber das darf Dich
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| nicht kümmern. Gar mancher ist durch äußere Verhältnisse sehr gebunden.
Aber Dein Opfer, Dein Verzicht kennzeichnet den Wert dessen, wofür Du eintrittst. Ich denke mir, das wirst Du auch in Deiner Erklärung, selbst für Schwerhörige, genügend zum Ausdruck gebracht haben.
Immer liegt mir Hölderlin im Sinn: "Meide die Leidensfreien nicht, die Götzen von Holz, denen nichts mangelt, weil sie nicht haben, das der Pflege bedürfte!"
Mein heißer Wunsch ist nur, für Dich etwas tun zu dürfen. Das ist doch mein eigentlicher Lebenszweck.-
Vorläufig ist wohl alles in Aufruhr; aber denke immer daran, daß Du mir eine Wohltat erweist, wenn Du meine Hülfe brauchen kannst. In Stenographie und Schreibmaschine fehlt nur die Übung, aber ich kann damit umgehen. Im Hause bin ich auch zu brauchen - kurz, Du hast doch im Sommer keine schlechten Erfahrungen mit mir gemacht.
Vielleicht ist es gut, wenn ich in Zukunft auch unter Deckadresse schreibe? Für heute <li. Rand> laß Dir nur noch innige Grüße sagen. Mit jedem Gedanken bei Dir -
Deine Käthe.