Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 26. Januar 1934 (Berlin/Dahlem)


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<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem=Dorf
Fabeckstr. 13>
26.I.34.
Mein innig Geliebtes!
Anbei sende ich Dir meine Korrespondenz mit Z. Mein Brief ist wohl verständlich; jedenfalls seine Antwort verstehe ich nicht ganz oder jedenfalls anders als Susanne. Ich wäre Dir dankbar, wenn Du mir Deine Auffassung bald mitteilen könntest.
Sonst reichen Zeit und Kraft nicht zu einem Brief. Es ist überwiegend unerfreulich. Am letzten Sonnabend war die Sache bei Ogrowsky ohne die erwartete Spitze. Ich war wenig disponiert; herausgekommen ist auch nichts. Oberschulrat Pflug ist nun auch beurlaubt. Gestern sprach Hr. von Papen vor der deutschen Akademie, bei ca 250 Teilnehmern. Möglichkeit zu einer persönlichen Begegnung ergab sich bei meiner Bescheidenheit nicht. Ich bin als Nachfolger von H. Maier in die Mittwochsgesellschaft gewählt. Vorgestern die erste Zusammenkunft bei Oncken. Popitz u. Groener
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| als Mitglieder friedlich beieinander. Der morgige Tag macht auffallend viel Bewegung. - Montag ist die kleine Trauerfeier für H. Maier.
Zu arbeiten ist wieder bis an den Rand der physischen Kräfte. Die Leibnizausgabe gehört auch dazu. 2 Mss. liegen seit Wochen und können nicht vollendet werden. Ich bin am Ende der Woche meist zu müde. Der Besuch der Vorlesungen ist stabil, besonders der der schwersten.
Vor fast 14 Tagen bei v. Dungerns in Potsdam traf ich Hrn. v. Molo, der persönlich immer höchst reizend ist. 2 Tage danach saß ich im Harnackhaus bei einem Essen neben Carl Schmitt und - Hans Grimm, der aber erst nach dem Essen kam. Die Unterhaltung mit S. war schwerflüssig und ging um das Aktuelle herum. Hinterher sprach ich mit einem General eine Stunde recht angeregt und verständnisreich. Klumberg aus Riga war auch da. NB. Die Volksgemeinschaft in Siebenbürgen ist nun auch zerrissen, wie im Estland u. z. T. Lettland. Glondys beurteilt die Lage gewiß durchaus real.
Ich muß noch zu einem Bischof u. dann zu einem Vortrag v. Franke. Viele innige Grüße
Dein
Eduard.

[li. Rand] Es liegt etwas in der Luft.
Marja, immer gleich reizend, läuft mit dem Arm in der Binde umher. Zerrung beim Schlittschuhlaufen.