Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 24. Februar 1934 (Berlin/Dahlem)


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<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem=Dorf
Fabeckstr. 13>
24.II.34.
Mein innig Geliebtes!
Zu Deinem Geburtstag vor allem die innigsten Wünsche und Grüße - in dem Geist unsrer mehr als 30 jährigen Gemeinschaft, die sich in den Wandlungen des Zeitlichen immer tiefer mit Ewigem erfüllt hat. Und dort allein kann man vor Anker gehen. Habe ich recht verstanden, daß Diether gerade zum 25.II kommen wird? Dann ist ja für eine schöne Feier gesorgt. Ich werde ein Festessen geben (!) - für Flitner und Litt, die morgen kommen; später wird auch Delekat erwartet.
Seit ich Dir schrieb, ist wieder sehr viel geschehen; immer wenig Gutes. Eine aufregende Sache hing wieder mit dem unerlaubten Abdruck eines Privatbriefes zusammen. Der Gegenstand, der uns jetzt am meisten beschäftigt, ist dort bereits in die Zeitung
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| gekommen, in sehr unförderlicher Weise. Durch die Prüfungen der Woche habe ich mich durchgequält. In der Mittwochsgesellschaft sprach Lietzmann über die Entwicklung der Kirchenfrage, die sich chronistisch anders darstellt, als wir sehen; aber historisch gesehen dadurch nicht anders wird. Donnerstag war ich - eingeladen! - bei dem Vortrag von Rosenberg. Solche Äußerungen bewegen sich auch auf einem diskussionfähigem Niveau. Der Reichswehrvortrag wirkt nach. - Einen "Gönner" habe ich gewonnen durch Mitarbeit bei der Kantgesellschaft: Ministerialrat Dr. Löpelmann. Aber dies Ministerium befindet sich bereits im Umzug nach dem Reich hin.
Die Vorlesungen haben sich auf guter Höhe gehalten. Es folgen jetzt im ganzen noch 4 Stunden. Aber die Belästigungen von seiten der betr. Frauenzimmer sind auch auf dem Gipfel.
Auch ich habe gesehen, daß der Zug über Heidelberg geht. Wenn ich nur bis dahin mit der Vorbereitung der Vorträge fertig werde! Ich bin eben doch sehr kaputt.
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Franke geht es gut. Ich habe ihn am Montag (als erster) besucht und habe von ihm sogar schon eigenhändige Dankzeilen bekommen. Hingegen ist der früher im gleichen Stockwerk mit Wolfgang wohnende Sohn 3 Wochen "konzentriert" beschäftigt gewesen.
Wir werden in den 7 Minuten nicht viel reden können. Und es dauert dann noch reichlich 14 Tage. Ich wundere mich immer, daß ich morgens Lebensmut zum Aufstehen finde. Marja ist ein unbedingtes Mittel zum Frohsinn. Es ist wirklich entzückend, wie gleichmäßig und sicher, kindlich und doch auf seine Art reif das kleine Ding ist. Indessen ........
Ich lege ein paar Briefe bei. Den Ursenbacher hätte ich doch gern vor der Abreise zurück. Der Ordnung wegen (nicht aus Unbescheidenheit) erwähne ich, daß heut vor 8 Tagen kein Brief von Dir gekommen ist. Die Pause betrug also ca 12 Tage.
Jetzt muß ich schnell an die Arbeit. Ich grüße Dich noch einmal innigst und bin in treuer Liebe
Dein
Eduard.