Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 28. März 1934 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 28.III.34.
Mein innig Geliebtes!
Die schönen Tage bei Dir waren nur zu schnell vorüber. Sie hatten - auf all dem dunklen Hintergrund - einen besonderren Glanz, der immer in mir nachleuchten wird. Ich werde in den lieben Räumen immer zu Hause bleiben; mehr noch natürlich in Deiner Seele. Und Du in mir.
Ich konnte erst in Frankfurt umsteigen. Die Züge sind jetzt so knapp mit Raum ausgestattet. - Gestern früh stellte ich telegraphisch fest, daß Schmidt-Ott gerade abgereist war und Tigges erst am 3.IV zurückkommt. Die Abendpost brachte einen Brief von Achelis: er wünscht mich - wegen meiner Teilnahme an einem englischen Kongreß zu sprechen. Das wird ja nun voraussichtlich erst nach Ostern sein.
Vormittags sandte ich noch das Ms. ab. Nachmittag arbeitete ich mit Frl. Silber. Mar
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hat ein altes Rad geschenkt bekommen und ist damit glücklich. In einer Stunde wird sie das erste Zeugnis nach Hause bringen. Jetzt erwarte ich den jungen Dr. Georg Maier. Nachmittags werde ich Franke besuchen. Für einen der Feiertage habe ich Marg. Thümmel eingeladen.
Es ist seltsam, wie fest jetzt eigentlich schon die Vorstellung in mir geworden ist, daß der große berufliche Entschluß unvermeidlich sei. Ich komme von dem Gefühl nicht los, daß dahinter eine Fügung steckt, die - in irgend einem Sinne - segensvoll werden kann. Vielleicht nur so, daß ich meine Kräfte mehr auf Dinge verwende, die sich lohnen. Der Eindruck der Kleinarbeit hier war doch wieder recht unerfreulich. Und das wird natürlich immer mehr, während die anderen die großen Dinge machen. Aber natürlich: es wird alles noch sehr gründlich erwogen werden. Die Antwort von Litt ist da und entspricht meinen Erwartungen. Diese Konkordanz ist doch eine innere Bestätigung. Übrigens hat sich Sauer
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auch sehr entschieden gegen die schlechte Behandlung der Hochschullehrer ausgesprochen.
Es ist hier noch garnicht frühlingshaft, obwohl im Garten schon grüne Spitzen kommen. Die Welt sieht mickrig aus; man sieht das nicht nur hinein. Da war der Blick beim Kümmelbacher Hof ganz anders. Es ist mir lieb, daß wir wieder da waren.
Ich mache jetzt eine Pause, um nachher noch über das Zeugnis zu berichten.
Also: das meiste genügend: Deutsch mit einem schriftlichen gut, Rechnen mit einem schriftlichen mangelhaft; eine rechte Durchschnittssache. Die Mutter findet es herrlich, und sie wird ja wohl recht haben.
Das ist doch ein Zeichen der Zeit: der Verleger v. H. Maier nimmt die nachgelassenen Teile des bereits in 1 ½ Bänden erschienenen Werkes nicht mehr. Frau M. schickt mir sein Bild, sehr ähnlich, wenngleich nicht eben anziehend.
Ich muß nun zu meiner Nicolai-Hartmann-Lektüre zurück. Ein recht gutes Osterfest - vielleicht mit Cilli - wünscht Dir in Liebe und Treue
Dein
Eduard.