Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 17. Juni 1934 (Berlin)


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17.6.34.
Geliebtes!
Ich werde Dir morgen eine Sammlung von Briefen zusammenstellen, die sich aus sich selbst erklären. Heut, nach einem heißen Sonntag, nur ein kurzes Wort des Grußes dazu. Ich will in keinen Einzelbericht eintreten. In der letzten Woche war ich Mittwoch zur Mittwochsgesellschaft bei Petersen, Sonnabend bei Marcks, der eine bezaubernde Grazie entfaltete. Anwesend: Reichsgerichtspräsident a.D. Simons, amerikanischer Botschafter Dodd, Windelband Sohn mit Frau.
Marja ist leider wirklich krank; sie hat im Anschluß an einen Schnupfen eine reguläre Kieferhöhleneiterung und bisher noch über 38° Fieber mit hohem Puls. Da gehe ich dann in das Bohèmezimmer, wo der Kanarienpieps herumhüpft und alles auf der Erde liegt, und wir verstehen und gut; denn ich lese ihr Fontanesche Gedichte vor. Zu
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| mir ist sie immer lieb und geduldig, obwohl das wirklich eine schauderhafte Sache ist. Ich habe es in leichter Form ja auch einmal gehabt.
Susanne war heut auch leidend. Sie ist in schwierigen Jahren.
Die Dürre wird bedrohlich.¹) [Fuß] ¹) Sering über die Stimmung der Bauern: "Wann hört denn der Unsinn endlich auf." In früheren Zeiten hätte man das als Gottesgericht angesehen. Heut wählt sich der Aberglaube andre Kanäle. Er ist nur um so übler.
Heute hat mir Prof. Gruehn aus Dorpat ein feierliches, mit dickem Siegel ausgestattetes Diplom gebracht, wonach ich zum Ehrenmitglied der akademischen Luthergesellschaft in Dorpat ernannt bin. Aber auch er bestätigte, daß wir mit dem Auslanddeutschtum keine glückliche Hand haben.
Ich bin müde und betäubt von der Arbeit, vom Tage u. vom Lindenduft. Hoffentlich kannst Du diese Zeilen doch noch lesen.
Innigst Dein
Eduard.

[li. Rand S. 1] Eben war Marg. Thümmel 2 Std. da.