Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 13. August 1934 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 13. August 34.
Mein innig Geliebtes!
Die Unbestimmtheit unsrer Verabredungen macht mir Kummer. Sie hat vor allem 3 Gründe: die objektive Lage, meine eigne schwierige Gemütsverfassung, die sich vor der Waldeinsamkeit fürchtet und die Fülle von Pflichtarbeiten¹) [li. Rand] ¹) durch völlige Lustlosigkeit erschwert. Jede für sich hat außerdem den bitteren Beigeschmack der Zeit., die wenigstens teilweise erledigt sein müßten, wenn ein wenig Gemütsruhe herauskommen soll. Ich habe die Tage vom 2.- 6. August leider beinahe verloren, weil ich zu aufgeregt war, um wichtigere Arbeiten zu erledigen. Von den ca. 7 großen Manuskripten, die hier liegen, habe ich wenigstens 2 jetzt erledigt. Nun kommt aber neuer Ärger und Sorge mit der Zeitschrift. Ich habe soeben einen Aufsatz für das Septemberheft aus dem Ärmel schütteln müssen.
An Kassel habe ich auch schon gedacht. Aber Stecker ist doch gewiß sehr teuer, und das andre da oben (z. B. Pension Sust) ist eng und unfreundlich. Wenn alles ruhig bleibt, soll der 21. früh der späteste Abreisetag sein, vielleicht schon der
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| 20. abends. Wegen Hermine, die ein Riesenpacket aus dem Walde geschickt hat, wäre ich für Friedenweiler. Wegen der Stimmungslage mehr für Freudenstadt. Wenn ich nicht hier schon zum Entschluß komme, dann spätestens in Heidelberg. Habe nur Nachsicht mit mir!
Um doch etwas Erholung zu haben, habe ich mit Susanne 3-4 ganze oder ¾ Tagestouren gemachten. Ein billiges Verfahren ist das nicht. Marja eignet sich noch nicht zum Mitnehmen. Sie kann zu wenig marschieren. Briefe habe ich in solcher Zahl geschrieben, daß eigentlich unterwegs Ruhe sein mußte, was aber noch keineswegs erreicht ist. Mein Akademievortrag ist korrigiert fertig. Die Kantgesellschaft kostet mir unerwartet viel Zeit. Frl. Geppert hat mich besucht. Frl. Silber ist aus Italien wieder da. Sie wird sich wohl doch operieren lassen müsen.
Ich schenke Dir hier ein liebes Andenken, das schon 75 Jahre alt ist. Außerdem die Gedächtnisrede, die nicht leicht zu machen war. Ich muß meine Kraft auf lauter Kleines verzetteln.
Mögen die Bäder noch gut nachwirken! Bald mehr! Für heute Schluß mit den innigsten Grüßen   Dein Eduard.
[li. Rand S. 1] Heut endlich ein Brief an Frau Kerschensteiner. Man soll das Darlehen nicht verlängern.