Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 21. August 1934 (Berlin/Dahlem, Postkarte)


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Dahlem, den 21. August 34.
Mein innig Geliebtes!
Saßnitz hätte gewiß sehr schön sein können, und mir wäre es wegen der bequemen Erreichbarkeit von Schweden angenehm gewesen. Aber natürlich machen wir nichts gegen Deine Neigung.
Da in Süddeutschland noch Schulferien sind, wird es nicht leicht sein, eine uns angenehme Unterkunft zu finden. Ich schlage nun Herrenalb vor. Das wird unsren beiderseitigen Kräften gerade angemessen sein. Ich werde morgen um 10 Uhr hier abfahren und bin dann (nach meinem nur für Norddeutschland reichenden) Fahrplan um 20.50 in Karlsruhe. Dort hoffe ich Dich in dem üblichen Reichshof (?) bereits anzutreffen, mit Reiseausstattung für etwa 14 Tage.
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Am nächsten Morgen fahren wir - oder, wenn es Dich zu sehr anstrengt - ich allein nach Herrenalb, um Wohnung zu suchen. Im günstigen Falle sind wir bis Mittag bereits installiert.
Das Zusammensein soll für uns beide eine Kraftquelle werden. Wir wissen, daß das nicht leicht zu erfüllen ist, da wir beide auf dem Boden gebrochener Hoffnungen leben. Um so mehr wollen wir bemüht sein, alles Positive und Heilende zu bejahen. Draußen ist für uns nicht viel mehr zu wollen. Wir müssen das "innere Reich" mit allem Ernst festhalten.
In diesem Sinne freue ich mich innig auf morgen Abend. Ich hoffe, daß Dir die kleine Reise nicht anstrengend wird. Gepäckträger sind ja überall zu erreichen.
Mit herzlichsten Grüßen
Dein
Eduard.