Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 6. September 1934 (Berlin/Dahlem)


[1]
|
6.IX.34.
Mein innig Geliebtes!
In der Bahn habe ich mich zunächst ziemlich apathisch verhalten; auch bei der Durchfahrt durch Heidelberg. Hinter Eisenach erschien plötzlich die unvermeidliche Arnthal. Wir saßen im Speisewagen. Dabei bewies sie in Bezug auf die neuen Dinge ein so weitgehendes persönliches Interesse an Dir, daß ich es undelikat fand und mit Schweigen beantwortete.
Hier sind die meisten Zimmer "in Arbeit." Ich kann nicht leugnen, daß es mich deprimierte, in einer Zeit, in der man ständig vor dem beruflichen Abbau steht, nun gerade einen so sichtbaren häuslichen Aufbau und Ausbau vornehmen zu müssen. Das wird ja vorübergehen. Aber alles drückt mich nieder, was ich lese, was ich sehe, was ich tue. Jedes kleine Vorkommnis, das an mich herangelangt, atmet irgendwie einen Hauch von unsauberem Geist.
[2]
|
Ich muß jetzt gleich in die Stadt wegen der verfehlten Devisengeschichte. Nur mit einem kurzen innigen Wort möchte ich Dir danken, für diese Tage, die so still und schön waren, wie sie es unter den allgemeinen Verhältnissen nur sein konnten. Mögest auch Du ein wenig innere und gesundheitliche Stärkung mitgenommen haben!
Die Last der laufenden Geschäfte, die hier aufgestapelt auf Erledigung warten, ist unbeschreiblich groß. Dabei waren es doch nur knapp 14 Tage "Erholung." Ich sehe nicht, wie ich in den wenigen Tagen vor der neuen Abreise auch nur an den Vortrag denken, geschweige ihn machen soll. Überhaupt: es ist mir alles mies, und am liebsten ginge ich aller Öffentlichkeit aus dem Wege. Petersen bietet mir einen Schillervortrag in Bochum und Duisburg an, der sehr gut honoriert wäre. Aber ich danke - für honor und Honorar. Jetzt herrscht doch nur die Phrase.
Bist Du gut heimgereist? Fandest Du alles in Ordnung?
Strasen u. Marja waren wieder etwas krank.
Innigste Grüße
Dein Eduard.