Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 11. September 1934 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 11. Sept. 34.
Mein innig Geliebtes!
Morgen reise ich schon wieder fort. Eine Adresse in Marienbad kann ich nicht angeben. Gegebenenfalls genügt: Kongreß für medizinische Synthese, Kongreßbüro. Am Sonnabend Abend hoffe ich wieder zurück zu sein.
Die paar Tage hier waren recht unerfreulich: lauter Nadelstiche von den bekannten Seiten her und Hoffnungslosigkeit. Es ist niemand da, mit dem man reden kann; nur mit Oger hatte ich eine ganz kurze Begegnung, dessen Stimmung der meinigen ähnlich ist. Mit der Besorgung von Devisen für 100 M hatte ich viel Mühe u. Zeitverlust. Sonst habe ich nur die "Erziehung", die Notgemeinschaft, die tägliche Post bedient und den Vortrag - aber auch ohne jeden Funken von Interesse - gemacht. Wozu das alles? Ich fühle mich schlapp und tief niedergeschlagen. Deshalb habe ich auch garkeinen Versuch gemacht, mit dem Vorstand in Verbindung zu kommen.
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Gunnar Thiele hatte man vor 6 Wochen seinen Auftrag "Geschichte der Seminare" staatlich bestätigt. Jetzt haben sie ihn ebenso unerwartet pensioniert.
Im Hause wird ein Stück nach dem anderen ausgewechselt. Manches wird dabei stilvoller. Aber ich bleibe dabei: in diesen unsicheren Zeiten macht das Aufbauen keine Freude. Wir leiden übrigens in Dahlem unter einer Fliegenplage, wie sie noch nicht dagewesen ist. Nachmittagsruhe ist einfach unmöglich.
In Herrenalb sind wir einer Gefahr glücklich entgangen: Am Tage nach m. Rückkehr erhielt ich einen Brief von dort von der fliegenartig nachhaltigen Frau Prof. Wentscher, intimster Freundin von Else Croner.
Ich war auch auf dem A.A. u. hatte ein sehr freundschaftliches Gespräch. Aber der Plan mit Brosius ist - ebenfalls an der Devisenlage - gescheitert.
Wallner war hier; in gleicher Stimmung wie ich. Er äußerte sich sehr scharf gegen Giese, ganz in m. Sinne.
Ob Du Dich ein wenig erholt hast? Ich wünsche es!! - Unsre Pläne sind schwankend. Weimar haben wir halb aufgegeben. Es kompliziert die Sache furchtbar. Nun wird <li. Rand> es wohl hier in Dahlem am 23.9. geschehen. Näheres hörst Du noch. Viel herzliche Grüße, auch von Susanne. Dein Eduard.