Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. Oktober 1934 (Berlin/Dahlem u. Magdeburg)


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Magdeburg, 23.X. früh.
Mein innig Geliebtes!
Man hat mich hier sehr verwöhnt. Ich bin das von Berlin her nicht mehr gewöhnt. Es ist doch ein Zeichen der Zeit, daß mindestens 300 - vielleicht sogar 400 Leute 1 M aufgewandt hatten, um über "Goethe u. die metaphys. Offenbarungen" etwas zu hören. Das Publikum war übrigens so andächtig wie in der Kirche. Es gelang mir sprachlich recht gut, und sachlich hatte ich allerdings bis zum letzten Moment gefeilt. Genau 1 Stunde u. 5 Min. - Hinterher war bei dem Vorsitzenden Rechtsanwalt Knaut ein Zusammensein, an dem auch der liebe Präsident a. D. Waßner u. einige höhere Schulbeamte teilnahmen. Etwa 20 Leute. Alles sehr freundlich und "wie einst". Die Übereinstimmung wird allmählich bedrohlich. Ich glaube, daß es gerade kulturpolitisch jetzt zu scharfen Auseinandersetzungen kommen wird.
Ich muß nun packen u. wieder nach Berlin fahren. Nur diesen kurzen, aber innigen Gruß!
Dein Eduard.