Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. Dezember 1934 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 23. Dezember 34.
Mein innig Geliebtes!
Ich frage mich, wo Du diesmal den Heiligen Abend verleben wirst. Ludwigshafen ist nach meinem Gefühl endgiltig vorüber, und es ist besser, in "Gedanken und Erinnerung" allein zu sein als in fernstehender Gesellschaft. Wir beide werden auch dies Jahr im stillen miteinander feiern. Es ist ein Jahr mannigfacher tiefer Leiden, auf das wir zurückblicken. Aber es hat uns auch in vielem reich gemacht, und in jedem Fall ist es angemessen, Gott dankbar zu sein.
Ich kann ja auch jetzt nicht in den eigentlichen Zauber des Festes hinein. Das
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| Drum und Dran verhindert jedes Empfinden. Die Hausgemeinschaft bleibt unorganisch. Die gute Wingeleit kommt, und die Firma unten entbräunt sich zusehends. Er am wenigsten. Er hat aber Dienst, und Frau Gerhardt ist überhaupt nicht gekommen (!?) Wir werden um ½ 5 Kaffee trinken. Marja freut sich seit Wochen, und sie wird uns ja von ihrer Freude abgeben.
Für den 1. Feiertag liegt nichts vor. Marg. Thümmel ist in Bonn. Am 2. Feiertag kommen "Honigs", nicht mit allen 3 Kindern, da Sabine krank ist. Außerdem habe ich Lenz (Sohn) gefragt, ob er nun bei uns sein wolle am 2. Feiertag.
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Als Geschenk habe ich für Dich nichts als den "Regenschirm" und unser kurzes Zusammensein. Bis zu diesem Abend - vermutlich also in Gotha - vertagen wir also unser Weihnachten. Es wird in ihm die alte Liebe strahlen (denn ausgeschimpft habe ich mich schon gestern) und wir werden miteinander reden: von dem Gekräusel an der Oberfläche und von den Fragen in der Tiefe, die doch immer wichtiger werden. Denn was haben wir alles, was habe ich insbesondere zugelernt!
Bis morgen Abend sollen außer vielen Einkäufen noch erledigt werden Besuche bei Frau Matejat, Rauhut, Benary, Silber u. Frau Kühne. Jetzt aber will ich versuchen, noch etwas
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| zu arbeiten. Nur noch die Bitte, dem Vorstand eine kl. Blume wie gewöhnt zu bringen - mit vielen Grüßen.
Susanne hat tapfer geholfen. Wie ginge "es" - nicht nur Weihnachten! - ohne sie. Sie wenigstens hat Dir auch ein Päckchen geschickt. Nimm es als sichtbare Repräsentation für uns beide.
Ich grüße Dich innig und danke Dir für Dein Sein und Deine Liebe in meinem Leben.
Stets Dein
Eduard.