Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 20. April 1934 (Heidelberg)


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Heidelberg. 20. April 1934.
Mein Liebstes,
wie freue ich mich, daß der Vortrag im Harnack-Haus solch glänzender Erfolg war! Es muß Dir ja wohlgetan haben, eine so verständnisvolle Hörerschaft zu finden. Ob ein solches Ereignis aber die Wege für die "Hauptsache" ebnet, ist mir freilich zweifelhaft. Man wird sich scheuen, ein solches Renomierstück preiszugeben und ist vermutlich nur ratlos, wie man sich bei dem ungewöhnlichen Fall benehmen soll. Ich habe den Wortlaut jener Anfrage nicht mehr ganz genau im Sinn, aber meinst Du nicht, sie schlösse die Möglichkeit einer direkten Verhandlung nicht aus? Ob nun nicht dafür bald die Zeit gekommen ist? Ich freue mich über das Verständnis von Brosius. - -
Ist Deine Vorarbeit für den Vortrag derart, daß Du Dich entschließen kannst, ihn drucken zu lassen? Es wäre sicher eine erfreulichere Arbeit als die Kantausgabe! Handelt es sich vielleicht um ihn, bei der Verhandlung mit dem "Inneren Reich?"
Ich schicke Dir die mitgesandten Briefe (9 u. 2 Anzeigen) zurück, und lege die Karte von Hermine bei, die auch Dich freuen wird. Das Büchlein von Graevenitz bitte ich noch ein wenig behalten zu dürfen. Es macht allen hier solche Freude. -
Was da eigentlich mit dem "Mann von Korinth" vorliegt, verstehe ich nicht recht; es kommt mir aber so vor, als ob er überall intrigniert hätte, wenn ich den Bericht nicht falsch deute. Sehr schlimm ist die Nachricht aus Prag, die durch die Zeitung noch verstärkt wurde. Eberhard König ist nun mal nicht mein Geschmack. Seine verschnörkelte Schrift ist so eitel - aber
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| es hat ja schließlich weiter keine große Bedeutung,, wenn er Dir sein Buch widmet. Er meint es wohl gut.
Die drollige Karte von Marja kam mit Deinem Brief zugleich. Du hast recht, daß man dadurch keinen Eindruck von ihr bekommt, so schreiben jetzt die kleinen Mädchen. Aber es ist doch auch viel verlangt, an eine ganz fremde Person zu schreiben. Das Haus übrigens war doch unverkennbar.
Meine Pläne für diese Woche haben sich nicht alle erfüllt. So war ich statt auf der Strahlenburg nur - - bei der "vorchristlichen Sternwarte", die man bei Dossenheim entdeckt haben will; es ist altes mörtelloses Gemäuer mit einer Umfriedung in der Art wie Osterholz. Es wird jetzt geprüft, ob wirklich astronomische Bedeutung daran ist. - Den Zahn, der mich plagte bin ich zur Hälfte los, die halbe Wurzel wird erst nächste Wohe nachfolgen! Aber es ist nicht schlimm damit, dagegen muckert wieder der Hexenschuß. Frühlingsgefühle! - Heute hat es <Wörter verwischt> geregnet, aber eine wirkliche Hülfe gegen <Wort/Wörter verwischt> Trockenheit war es nicht. Fabelhaft rasch war die <Wort verwischt> vorbei und jetzt sind wir schon bei den Maiblumen.
Im Spengler kann ich nicht lange nacheinander lesen. Seine Worte sind wie Peitschenhiebe, man wird ganz benommen von der Wucht. - Ähnliche Eindrücke wie der amerikanische Brief sie gibt, brachte mir die Bekannte aus Paris mit. Überall das gleiche Bild und - die gleiche Perspektive! Nur der Vorstand weiß es besser!
Für heute leb wohl. Möchte Deine Sache bald eine gute Entwicklung nehmen, und Du zu ihrer Durchführung Ruhe und Kraft behalten. Ich grüße Dich innig.
Deine
Käthe.