Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 4. Januar 1935 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, 4.I.35.
Mein innig Geliebtes!
Nur wenige Worte als Gruß nach unsrer Begegnung in Gotha. Ich muß gleich an die Arbeit gehen.
Es tut mir sehr leid, daß Du bis Cassel eine so anstrengende Fahrt gehabt hast. Mir ging es besser, aber ich ärgerte mich über einen dicken Kerl, der sich über 3 Plätze lang gelegt hatte und die übrigen Insassen des Abteils zwang, sich zusammenzudrängen. "Volksgemeinschaft." Am 2. Januar habe ich zunächst Korrespondenz geordnet und erledigt. Nachm. besuchten wir zuerst Frau Gomies vergeblich und dann Frl. Mai (vor ihrem 79. Geburtstag.) Sie freute sich ungeheuer. Gestern habe ich 10 Stunden an der Fertigstellung der Pestalozziabhandlung gearbeitet und dann fast bis ½ 1 an der Tür
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| auf Susanne gewartet. Sie war in einer Kolonosvorlesung von Eberhard König. Heut früh ist mir etwas plundrig.
Marja scheint, gottlob, nichts zu fehlen. Sie liegt aber vorsichtshalber noch immer im Bett, weil sie in der Schule neben einem Kind gesessen hat, das dann Scharlach bekommen hat. Ich habe ihr Rätsel aus Deiner Sammlung vorgelegt. Wir haben aber nur wenige selbstständig geraten.
Es kam nun endlich auch ein langer Brief von Geheeb, der in der Schweiz "Menschheitserziehung" treibt. Er ist mit seinem Schwiegervater in Konflikt, und ich soll - vermitteln helfen!? Susanne hat das Vorhaben vereitelt, indem sie nicht an Edith Geheeb telephonierte, sondern mich 1½ Stunden durch den Grunewald "führte." Sonst ist von hier nichts von Belang zu melden. Ich lege nur ein paar Briefe ein u. schreibe dann wieder nach Heidelberg. Viele herzliche Wünsche <re. Rand> für Deinen Aufenthalt in Hofgeismar und innige Grüße. Dein Eduard.
[Kopf] Susanne grüßt ebenfalls.