Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 24. Februar 1935 (Berlin)


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Berlin, 24.2.35
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Gestern um 1 war japanisches Frühstück auf Einladung von Tomoeda mit echt japanischen Speisen, Getränken und Stäbchen; ich bin heut damit noch nicht ganz fertig. Besonders angenehm ist der neue japanische Botschafter Mushakoji. Er hat geradezu einen deutschen Studentenwitz, und ist ganz anders als die meisten unsrer östlichen Freunde. Es muß übrigens gesagt werden, daß meine Hörer und Besucher oder Anhänger in Japan ganz besonders treu sind.
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Zwei größere Aufsätze sind also in den "Ferientagen" schon fertig geworden. Jetzt muß ich ein Bündel Rezensionen schreiben (als
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| Dank).
Der Holzhausen gehört, nach einer heutigen Andeutung der Tochter, auch zu den "Zurückversetzten", wie es scheint. Hattest Du damals nicht den Eindruck, daß er gegen links stünde? Er ist jetzt in dem Nest Gehren, das wir ja kennen.
Einen Brief von Frau Witting lege ich bei, damit Du die Lage kennst. Es steht diesmal nichts rein Persönliches drin.
Im Hause ist alles wieder gesund. Übermäßige Pflegeinstinkte hat Susanne nicht entwickelt; aber in der Hausarbeit hat sie mitzugegriffen. Ihr Geist ist willig, aber ihr Gedächtnis ist schwach. Die meisten haben sie gern, besonders Frau Oncken. Nachher werden wohl Frankes kommen, um gemeinsame Harzpläne zu besprechen. Um 5 sind wir bei Lietzmanns eingeladen.
Der Zustand im Hause ist gebessert und friedlicher. Draußen spüre ich davon nichts. Es bleibt bei der Zerstörungslust und den Schikanen.
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Mein herzlich Geliebtes! Verzeih, daß ich Dir einen so "durcheinanderen" Geburtstagsbrief schreibe. Ich kann auch nur sagen: auch mein "Herz ist wach", aber einen schönen Brief kriege ich mit meinen heutigen Brüchen nicht zustande. Je näher der Frühling kommt (er scheint hier schon sehr nah), um so stärker wird meine Sehnsucht nach der Reichenau. Die haben sie uns nun auch genommen. Denn künftig ist ja vom 1. Februar bis Mitte Mai Semester. Man sitzt auf lauter Vergangenheiten.
Grüße alle Freunde, die mit Dir feiern. Der Vorstand wird ja wohl noch nicht ausgehen. Gedenke mein, wie ich Dein gedenke, und sei in treuer Liebe gegrüßt von Deinem
Eduard.