Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 17. März 1935 (Potsdam, Postkarte)


[1]
|
17.III.35.
M. L!  An diesem wichtigen Tage wollen wir uns des Positiven freuen und hoffen, daß es im Kairos geschehen sei. In meiner Provinz sieht es allerdings nach wie vor düster aus. Wie wird sich die 1. Fakultät dazu verhalten? - Es scheint nicht, daß eine Feier in Tegel zustande kommt. (Übrigens ist am Gedenktage selbst Staatsexamen u. Marjas Geburtstag.) Also fürchte ich, Dich umsonst zu bemühen. Aber die Briefe sind ja auch um ihrer selbst willen lesenswert. Es ist mir lieb, wenn Du 1812 beginnst u. etwa bis 1819 gehen kannst. Denn die Briefe umfassen im Ganzen 6 oder 7 Bände. Mich interessiert das Weltanschaulich-Politische allein: Bedeutung von Nation, Staat, Stand, Person (i. Verh. zum Staat.) Äußerungen zur Totalcharakteristik v. Stein, Hardenberg, Gneisenau u. Scharnhorst desgleichen; nicht die Acta des Tages. Auch ad Staatsverfassung ist wichtig. Bitte nichts auszuschreiben, sondern nur Zettel mit stichwortartigen Überschriften. - Die Uexküllsche Richtung u. a. lehnen auch das biogenetische Grundgesetz ab. Ich kann die Gründe selbst noch nicht übersehen.
[2]
| Denn diese Fragen sind für mich schwer, weil ich nicht genug empirisch gesehen habe. Im Hamburger Institut selbst war übrigens so gut wie nichts zu sehen. Frau v. U. ist Übersetzerin des Axel Munthe. Am 2.IV. werden wohl beide zu einem Vortrag von ihm herkommen. - In 2 Stunden müssen wir hier weg. Die Sonne scheint herrlich. Aber ich bin wirklich kaputt u. bedrückt, und ob die 8 Tage reichen werden, um Spannkraft fürs Semester zu gewinnen? Eigentlich brauche ich sie dringend zur Arbeit. Aber das wird ja doch nur ein Scheinsemester. Viel herzliche Grüße auch von S. Dein E.
[li. Rand] Die Vorträge waren genau so erfolgreich wie in früheren Zeiten. Ich habe entdeckt, was Verleger verschweigt, daß Erz. 260 Abonnenten mehr hat.