Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 19./20. März 1935 (Bad Harzburg, Postkarte)


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19.III.35.
M. L!  An diesem erinnerungsreichen Tag sitze ich spät bei scheußlichem Harmonikaklavier im "Lokal". Wie viel stimmungsvoller ist doch Süddeutschland. Aber es heißt, auf billige Weise Luft schnappen. Das haben wir so getan, daß wir nun schon lauter kaputte Knochen haben. Gestern von hier nach Romkerhall. Im Okertal kamen wir in die Holzabfuhr, u. ich zerbrach beim Turnen über die Stämme im eisfundierten Dreck den Regenschirm. Kaffee im "Waldhaus." Von Oker zurück. Heut Nachm. nach Ilsenburg. 3 Stunden bis Rabenklippen. Tief im Wald traf ich unter einem Wanderklub, den einzigen Wanderern, die wir übhpt sahen, einen Bekannten. Wir kamen via Burgberg ziemlich ruiniert hier an. Von
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| Frankes noch keine Nachricht. Wetter recht günstig. Harzburg - im Vergleich - sehr unpoetischer Ort. Aber was darf man von 8 Tagen fordern, wenn es billig sein soll? - Sonntag [über der Zeile] 17.III der erste große öffentliche Tag. Möge er glücken! Der Schritt ist ernstlich heroisch. Möge er glücken! Versöhnung gösse sich dann über Unversöhnliches im Hause Tantalus.
<li. Rand>
Innigst Dein sehr müder E. Tiefes Gedenken an jedem Platz!!

[Kopf] 20.III. Heut Nachm. kommen Frankes.