Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. März 1935 (Bad Harzburg)


23.III.  23 Uhr.
Mein innig Geliebtes! Ich schreibe, als spät Hinterbliebener, in dem von Dir erhaltenen Gothaer Block. Wir waren gestern auf dem Torfhaus (810 m.) Nächste Umgegend unpassierbar wegen Schnee, Eis, Schneeschmelze. Frankes kamen zu Fuß hinauf. Wir schafften es gerade abwärts. Beim Radaufall Wildfütterung.
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| Heut Wetterumschlag ins Aprilmäßige. Scharfer Wind, Regenschauer. Nachm. ging ich mit S. von Ilsenburg nach der Plessenburg (zuletzt vor 40 Jahren mit m. Eltern besucht) Der Weg wurde uns schwerer als uns der im Winter nach Wernigerode. Rückweg über die Höhe und die Felsen (z. B. Ilsen
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|stein) in später Dämmerung. In Bhf Ilsenburg trafen wir Frankes, die ebenso tapfer von den Rabenklippen gekommen waren. Es herrscht grimmiger Wind. Die Ba.Na. sind einzige Verbindung mit der Welt. Heut höre ich von neuen Zerstörungsmaßnahmen der deutschen Univ. Hartnacke sei auch beseitigt. Trostlos.
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| Vielleicht ist das nun auch die letzte „Reise“, die wir machen. Sie ist gesund. Aber den "Frühling" wünschte ich mir in anderer Umgebung.
Weltgeschichte - interessant aber schmerzlich. -
Berlin soll noch 5600 Studenten behalten. Im Winter hatten wir noch 9500. Wenn der Abbau organisch ginge!