Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 7. Juli 1935 (Berlin, Postkarte)


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Sonntag, 7.7.35.  M.L! An kleinen Symptomen merkt man das Versinken der Welt, in der man gelebt hat, deutlicher als an großen. Gestern sah ich auf dem U.-Bhf. Potsdamer Platz ein Riesenbild der Insel R mit der Aufforderung: Gesellschaftsfahrten mit 8 Tagen Aufenthalt: 88 M. Links: "Die Insel der köstlichen Verpflegung." rechts: "Die Insel der guten Küche." - - Bei Brosius ist, wie gewöhnlich, alles unsicher. Mir geht es mit Nerven etc.
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| nicht gut. Ich merke nun doch das in Jahren entstandene Minus, habe aber keine psychischen Regenerationsquellen. Der elektr. Sturm am Donn. hat mir recht geschadet. - Ich lese trotzdem fleißig Mss, aber jeden Tag kommt (buchstäblich!) ein neues. Marja hat recht entwickelte Masern. Das zu Neujahr war "Scharlachverdacht." Am Do. waren wir in Potsdam. Die 7 von der jungen Generation sind mir ein ungewohntes Bild. Sus. war gestern mit ihnen u. ihren Schwestern im Zo. Heute kommen vermutlich die 4 Frankes zum Kaffee. Dienstag ist dann mein Stadtausflug. - Wir waren auch bei Frau v. Sydow, der Herausgeberin der Briefe, am Tage nach der Beerdigung des Gatten. Sie wünschte m. Hilfe gegen Verunglimpfung des Ehepaares W. u. C. v. Humboldt. - Deine schofle Auslegung meiner Sendung gehört wohl auch zu den Zeichen der Zeit. Näheres folgt im Brief. Heut ist m. Kopf zu benommen. Ich höre mit großer Betrübnis, daß eine Badekur wieder nötig ist. Möge sie Erfolg haben! - Heut langer Brief von L. Lampert - immer halb. Das ist wohl Württemberg. Oder - auch Furor der Organisation? Für heut nur diesen Zettel u. viele innige Grüße. Dein Ed.