Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 4. August 1935 (Bad Kohlgrub)


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Bad Kohlgrub, 4.VIII.35.
früh.
Mein innig Geliebtes!
Dein gestern Abend eingetroffener lieber Brief veranlaßt mich, sofort zu schreiben, damit zweckmäßige Verabredungen getroffen werden. Wenn Frau L. um den 21.VIII. noch in H. ist, dann ist es ganz unvermeidlich, ihr die Hälfte unsrer gemeinsamen Zeit zu widmen. Sollte L. selbst gerade um diese Zeit dorthin kommen, so müssen wir beide vorwiegend für ihn dasein.
Also 1. Regel: nicht von meinem Kommen als etwas Bestimmten reden. 2. Regel: ins Auge fassen, daß wir uns doch am 3. Orte treffen, was mir deswegen gegen den Strich wäre, weil ich jetzt im Hinblick auf Heidelberg schon das teure einfache Billet genommen habe.
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Weiter ist Deine Aufgabe, darauf hinzuwirken, daß L., der doch sicher über München kommt, ein paar Tage hierher nach Kohlgrub geht, oder besser die Allonge teilt, die wir vermutlich doch vom 17.-20. in der Pension Witting machen. Suche herauszubekommen, ob Frau L. auch mit nach Berlin geht. Dann ist dort Gelegenheit, sich ihr zu widmen, ihr und dem Sohn Alfred, worauf der Vater und ich besonders Gewicht legen. Das mußt Du also kunstvoll und geschickt behandeln, im allseitigen Interesse. Denn Du hast die Hand an der Strippe. Ich kann garnichts mehr tun, weil L. vermutlich schon unterwegs ist und nur Frau L. die Adresse hat. In keinem Fall möchte ich, daß bei den griechischen Freunden der Eindruck einer Vernachlässigung durch uns 3 entsteht. Und mein Interesse an der Begegnung mit Alfred, am besten in Berlin, wo Marja ist, muß <re. Rand> betont werden.
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Über "hier" ist vieles zu berichten, was jemanden ohne Schreibmaschine recht große Mühe machen könnte. Zunächst: das Haus mit schönem Park ist eine Weiber- und Kinderbude; die Verpflegung mäßig - was für mich keine große Rolle spielt; der Preis ja auch mäßig. Seit gestern sind wir aus dem Dachzimmer (cf. Luitpold, Oberstdorf) heraus. Die Gegend besteht, wie Heiden, im schönen Blick! Wenig mehr Wald; ein paar hübsche Wege. Also hängt alles von Ausflügen ab. Damit ist es auch mißlich. Erster Versuch gestern hat gezeigt, daß die Gegend bis Oberammergau kahl ist. Wir sind mit der Bahn dorthin gefahren. Dann durch den vergroßstädterten Ort und die Autostraße bis Ettal. Daselbst furchtbarer Massenautoverkehr. Ich war, wie auch am Vortage, ganz unleistungsfähig. Grund kam bald zum Vorschein: als wir für den Rückweg einen schönen Waldsteig
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| entdeckt hatten, begann ein Gewitter, das nicht von schlechten Eltern war. Wir suchten es abzuwarten. Aber es dauerte fort, bis wir total durchnäßt Oberammergau erreichten. Um nicht zu klappen, gingen wir nach einer kurzen Pause bis Unterammergau; dann fuhren wir mit der Bahn wieder in unsre diesseitige Langeweile. - Vielleicht veranlaßt mich diese, es mit ein paar Stahlbädern zu be[über der Zeile] versuchen.
Ich komme noch mal auf das Anfangsthema zurück: Es ist am besten, wenn Du drängelst, daß Louvaris als unser Gast um den 17. nach Partenkirchen kommt. Wir binden uns nicht für Partenkirchen, ehe wir nicht von ihm Nachricht haben. Also diplomatisch!
Gestern an der Ammer im dicksten Regen sah ich eine Feder liegen und wollte sie nach alter Gewohnheit aufheben. Aber die Bequemlichkeit siegte. Bei der Heimkehr fand ich Deinen symbolischen Gruß. Ach, ich bedarf der Federn sehr. Es ist nicht viel mit mir los. - so und so.
<li. Rand>
Ich breche für heut ab mit herzlichem Dank für alle Liebe und die Nachrichten von Dir. Viel herzliche Grüße, auch von Susanne. Dein Eduard.