Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 14. August 1935 (Bad Kohlgrub)


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Kohlgrub, den 14. August 35.
Mein innig Geliebtes!
Endlich ist nun in der Frage des Louvaris-Besuches so viel Klarheit, daß sich die Einteilung der hier noch verbleibenden Tage übersehen läßt. Diesen Augenblick schreibt er, daß er mit Frau und Sohn am Sonnabend, 17.VIII. hier eintreffen werde. Ich wäre Dir dankbar, wenn Du Frau L. noch schonend sagen könntest, daß ich gern wüßte, mit welchem Zuge sie in Murnau eintreffen, damit ich dort an der Bahn sein kann. Er kommt von Innsbruck. Ob er die Seinigen von München abholt? Es geht ein Zug von München ungefähr um 9 früh ab. Funktioniert das nicht, so sollen sie jedenfalls bis Kohlgrub Bad fahren, weil nur von dort Gepäckbeförderung ist.
Wir haben hier nicht allzu still gelebt. In der vorigen Woche haben wir Wege in
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| der Umgegend "entdeckt", die manchmal im Dreck endeten. Sonntag war ich in Partenkirchen, während Susanne mit unsrer Tischgenossin auf das Hörnchen stieg. Frau W. traf ich geistig auf voller Höhe, nur sehr deprimiert und körperlich recht herunter. Frl. Geppert ist auch da. Mit ihr aß ich zu Mittag, nach Tisch ging ich mit Felizitas nach Farchant. Montag hatten wir Besuch von einem braven Münchner Volksschullehrer Wächter. Gestern haben wir die erste große Tour gemacht: Mit der Bahn bis Eschenlohe, von dort durch das Eschenlahntal in 4 Stunden (!) bis Dorf Walchensee. Nach dem Essen am See entlang bis Urfeld. Autopost bis an den Kochelsee, an ihm zu Fuß entlang; endlich mit Autopost bis Murnau, wo es immer einen guten Wein und ein Butterbrot "mit Seeblick" gibt. Heut regnet es, das ist gut für meine fast beängstigend aufgestaute Post, für die ich wohl den ganzen Tag brauchen
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| werde. Allerhand Verdrießlichkeiten folgen auch hierher, natürlich.
Wenn nun alles programmmäßig läuft, fahren wir am 21. früh hier ab, Susanne gleich durch nach Berlin; ich mit dem üblichen Schnellzug München-Heidelberg, den ich hier nicht genau feststellen kann, zu Dir.
Der "Erlöserorden" wird recht teuer werden. Wir leben sonst hier nach besten Kräften billig.
In der nahen Aussicht auf ein Sprechen möchte ich nicht mehr ausführlich werden. Ich wünsche, Dich bei möglichst gutem Befinden anzutreffen und schon etwas von der positiven Wirkung der Bäder konstatieren zu können. Sonst wird es mit dem Positiven immer dürftiger - so auch in Part. - Nimm also mit diesen wenigen Zeilen vorlieb und fühle aus ihnen mehr heraus, als mit Worten gesagt ist und zu sagen ist.
Mit innigen Grüßen
stets Dein
Eduard.

[li. unt. Ecke] Viele herzliche Grüße von Susanne.
[li. Rand] Das Quartier für Familie L. ist bestellt. Das war eine große Sorge bei dem kleinen Ort.