Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. September 1935 (Berlin, Postkarte)


23.9.35.  M. L!  Zu einem Brief reicht es leider nicht. Den Deinigen habe ich gestern um Mitternacht dankbar vorgefunden, als wir von - Leipzig zurückkamen. Wir haben die lange geplante Reise gemacht, um Trost im Trüben zu fischen. Der Reihe nach haben wir besucht Frau Rohn, Frau v. Strümpell, Litts u. die Geschwister Kiehm. Abends waren wir noch 1 Stunde mit Bernhard Schwarz zusammen. Alle Bekannten lassen herzlich grüßen. Heut bin ich sehr müde. Morgen ganz
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| früh geht es nun nach Budapest (Hôtel Hungaria.) Am 29.9. früh denke ich zurückzufahren u. abends hier zu sein. - Wir hatten große Freude an dem Besuch von Heinz, den ich besonders zu grüßen bitte. Sonst wenig Freude; au contraire. Die Arbeit ist infolgedessen auch nicht vorangegangen. Die fallenden Blätter im übertragenen Sinne decken die Schaffenslust zu. L. ist tapfer; aber mit welchem Erfolg? - Es freut mich, Dich in der Stille der Häuslichkeit der Deinen zu wissen, obwohl es bei so vielen Personen im wörtlichen Sinne garnicht still sein wird. Eben habe ich alle Angehörigen im Bilde gesehen und kann mir Deine Umgebung nun etwas vorstellen. Das Wetter scheint sich auch noch zu halten. Gestern jedenfalls war ein voller Sommertag. Aber nun weiß ich nichts mehr, was für eine Karte paßt. Also nimm diesen herzlichen Gruß als Abzahlung, dem sich auch Susanne anschließt. Wir denken an Dein Hiersein u. hätten es länger gewünscht. Innigst Dein E.