Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 16. Juli 1935 (Heidelberg)


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Heidelberg. 16. Juli 1935.
Mein geliebtes Herz!
So froh mich Dein voriger Brief gemacht hatte, so sehr bestürzt mich der heutige. Was habt Ihr nur gegen den Schwarzwald mit seiner kräftigen Luft? Ist denn Kohlgrub, das noch so weit von den eigentlichen Bergen liegt, empfehlenswerter? Immer wieder hört man hier auch die Halde empfehlen, das solch besonders gute Wirtin haben soll und warum seid Ihr von Todtmoos abgekommen? - - Wenn Ihr schon da nach Oberbayern geht, dann wäre schließlich doch das erprobte Partenkirchen noch besser! Aber - es ist schlecht zu raten und besonders aus der Ferne.
Und noch mehr bekümmert mich Deine gedrückte Stimmung. Das ist natürlich Erschöpfung, da Du die lange, pausenlose Arbeitszeit gewaltsam noch fortsetztest, anstatt die Sache rechtzeitig abzubrechen und erst an die Erholung zu denken und dann wieder an die Arbeit zu gehen. Fange doch wenigstens jetzt damit an in der guten märkischen Luft viel den Wald aufzusuchen, ablenkende Lektüre, freundliche Unterhaltung, keine gewohnte geistige Luft! So hat sich der Ursenbacher mit Erfolg behandelt, dem es ähnlich ging. Das ist keine Alterserscheinung, das ist nur vorübergehend und wäre überwunden, sowie das Klima gewechselt hätte. Das könnte nämlich Wunder tun und darauf hoffe ich.
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Wenn es irgend einzurichten wäre, so möchte ich Dich doch bitten, lieber einmal wieder nach Heidelberg zu kommen. Es hat ohnehin ja schon so viel von seinen Vorzügen eingebüßt, daß ich Dir dankbar wäre, wenn Du ihm wieder einmal zu seinem alten Recht verhelfen wolltest. Mir ist es etwas anders, Dich irgendwo zu treffen, oder mit Dir hier in meiner Umgebung zusammen zu sein, so sehr auch das Zusammensein die Hauptsache ist.
Auch hier spricht man mehr von Gewitterstimmung, als bis jetzt greifbar vorhanden wäre. Das kann sich noch gut so hinziehen, ehe es zum Ausbruch kommt. Immerhin steigern sich die Anzeichen. - - Also am 3. August erwarte ich Brosius und freue mich, daß er nun bestimmte Aussicht auf das Unterkommen im Markenhof hat. Ich werde mich bemühen, ihn zum Reden zu bringen. - Heut war ich mit Adele auf der Thingstätte, um diesen Wunderbau auch mal zu sehen. Der Architekt ist natürlich ganz Original, aber man hat durchaus den Eindruck eines antiken Amphitheaters. - Danach habe ich bei Adele gegessen und auf ihrem Sopha geschlafen: 2½ Std ohne aufzuwachen, so müde war ich! Du siehst also, andre können das auch und haben nicht das Recht dazu durch treue Arbeit! Die Bäder greifen halt auch an. - Liebes Herz, laß die Verstimmung nicht Herr bleiben über Dich, es gibt noch andre Dinge zu erleben. Und der Krug geht nur so lange zu Wasser, bis er bricht! Er scheint manchmal schon am Überlaufen.
Sehr, sehr herzliche Grüße von
Deiner
Käthe.