Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 19. Juli 1935 (Heidelberg)


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Heidelberg. 19. Juli 1935.
Mein geliebtes Herz!
Morgen werde ich für den Nachmittag mit Rösel nach Schönbrunn fahren, und am Dienstag verreist sie für 3 Wochen - nach Hinterzarten und Todtnau. Wie stehts dann mit Euch? Ich wollte, Ihr hättet Euch für Todtmoos entschieden. Nach dem Prospekt, den Ihr ja sicher auch habt - ist es lieblich wie Herrenalb, aber viel höher gelegen und waldreich. Ihr könntet so gut auf der Hinfahrt bei mir übernachten und das Hotel sparen, so macht die etwas weitere Reise nichts. Und ein Doppelzimmer ist immer viel leichter zu haben, sodaß Ihr gewiß ein Unterkommen dort fändet. - Am Dienstag wird auch Adele für 3 Wochen in die Schweiz gehen, wo sie mit ihren Söhnen den 80. Geburtstag feiert. D. h. der Danziger wir währungshalber nicht dabei sein, und der Geburtstag ist in Wahrheit erst am 1. Oktober! - Da wird es ungemein still hier werden, und nur die Reiseunfähigen bleiben zurück!
Bertha v. Anrooy hat sich für eine Woche angemeldet, ich weiß aber nicht wann. Sie wird dann zu der geb. Landfried gehen. - Heute steht in der Zeitung, daß der Führer die Professoren Liebmann u. Rosenthal auf ihren Antrag von den amtl. Verpfl. entbunden hat. - Bei den Juristen ist es vermutlich schon geschehen. -
Alles steht hier im Zeichen der Thingspiele, die mitwirkenden Arbeitsdienstler kommen meist nachts
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| nach 11 Uhr auf 3 schweren Lastwagen laut singend von den Proben zurück durch die Rohrb. Str. - Auch auf dem Schloß sind häufig Festspiele. Lockt Euch das garnicht? Man sollte mal so tun, als wäre das alles wichtig und alles andre abschütteln!
Die Bäder machen mich noch recht müde, und die Steifheit ist natürlich noch nicht weg. Aber ich habe das Gefühl, daß sie beleben und den Organismus anregen. Du willst es vielleicht auch mal mit Bädern versuchen, daß Ihr an Kohlgrub denkt? Sonst warst Du doch nicht für übertriebenen Wassergenuß!
Im Gedanken an eine baldige Aussprache will das Schreiben garnicht mehr gehen. Aber hören würde ich gern bald, wie nun die Entscheidung gefallen ist!
Grüße Susanne herzlich und sei selbst sehr gegrüßt von
Deiner
Käthe.