Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 6. August 1935 (Heidelberg)


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<mit Schreibmaschine geschrieben>
Heidelberg, 6.8.35.
Mein geliebtes Herz!
Wenigstens anfangen will ich, wenn ich auch dazwischen zum Vorstand muss, um sie spazieren zu führen. Das ist freilich zu ihrer Sicherheit nicht mehr nötig, aber ein stilles Abkommen, das ich vorläufig noch nicht brechen will. Dir aber möchte ich möglichst schnell die Nachricht geben, dass die Gefahr der Freundesbesuche hier vorüber zu sein scheint. Ich suchte heut die kleine Frau auf, und da sagte sie mir, dass der Gatte nun nicht mit dem Flugzeug fähr[per Hand] t sondern zuerst in Wien Station macht. Sie schreibt ihm unter der Adresse: Griechische Gesandtschaft. Das hast Du wohl inzwischen auch von ihm erfahren? Auf alle Fälle erreicht ihn so Deine Nachrich[per Hand] t in den nächsten Tagen. Er hat geschrieben, dass er sich in Bayern mit Dir treffen wolle, also wird es hoffentlich mit Partenkirchen klappen. Der Kurs der Gattin dauert hier bis zum 17. und sie sprach heute davon, dann am 18. nach - oder über - München zu fahren. Sie w erwartet Direktion von ihrem Mann, und ich denke, Du wirst über die Wiener Adresse hin mit ihm definitive Pläne machen können. Wir h hier haben für Sonnabend ein Zusammensein verabredet. Ich denke an Neckarsteinach und mit dem Schiffchen zurück. Hinterher bei mir ein einfaches Abendbrot. Der Ausflug aber "Kopfpartie".
Nun war also auch Herr Dr. Brosius da! Ich glaube[per Hand] , er hat die Zeit hier gründlich ausgenutzt. Den ersten Abend führte ich ihn noch im Dunkeln durch die Stadt zur Orientierung. Den nächsten Morgen ging er über den Ehrenfriedhof[per Hand] , am Gaisberg zum Schloss, und noch durch die verschiedensten Kirchen in der Stadt. Mittag nach 2 zusammen im Bergbräu und von da direkt mit der Elektrischen nach Neckargemünd. Auf unserm Weg am Ufer unter dem Dilsberg nach dem Schwanen und dann er über die Burgen und ich am Neckar zurück. Nach dem Abendbrot zu Haus ging er nochmals fort, vermutlich hatte er Sehnsucht nach Bier, das er bei mir nicht bekommen hatte. Am Montag trieb ihn das Verlangen auf den Philosophenweg, und noch einmal aufs Schloss, und 20 Minuten vor Abgang des Zuges kam er sehr erhitzt und eilig seine Sachen zu holen. Er war natürlich sehr höflich, aber wir sind nicht bekannter durch dies Zusammensein geworden, er ist eben ein Leimsieder und die Grazien haben an seiner Wiege gefehlt. Nachträglich ist mir eingefallen, dass er vermutlich eine Aufforderung für den Rückweg erwartet hat, aber da er bis Ende des Monats zu bleiben hofft, wäre das ganz kurz vor meiner Abreise und da passt es mir zu schlecht, - Er spricht viel von seiner Mutter, das gefällt mir gut; und er mag zu dem richtigen Stubengelehrten das Zeug haben, für die heutige Zeit scheint er mir nicht begabt. -
So - da wäre ich wieder! Änne ist noch sehr entzückt von dem Kaffeeausflug, den wir gestern auf den Kümmelbacher machten. So leben wir, so leben wir, soleben wir alle Tage! Aber der Rheumatismus will nicht vergehen. Morgen werde ich das 10. Bad nehmen und damit Schluss machen. Ich soll mich dann bei Frl. Dr. melden. Auch die Tabletten gegen Gicht machen mir keinen merklichen Eindruck.
Von Frau Louvaris habe ich noch zu erzählen, dass sie nicht nach Berlin kommt. Ich habe sie gefragt. Ihr geht über München-Salzburg. Aber da kann sie ja gut den Abstecher nach Partk. einfügen.
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Etwas Vernünftiges zu schreiben ist bei der Hitze nicht möglich. Merkwürdiger Weise hat es hier seit fast einem Monat nur wenige Tropfen geregnet: überall hört man von schlechtem Wetter, im Schwarzwald meldet Rösel Hecht davon, ganz Norddeutschland soll darunter leiden, ebenso heisst es von Tegernsee, und bei Euch? War das Gewitter nur ein vorübergehender Guss? Hoffentlich! denn ich wünsche Euch doch möglichste Ausflugsgelegenheit, da Dir der Ort so langweilig scheint. Und in der Verzweiflung willst Du Stahlbäder nehmen? Möchten sie Deine Kräfte stählen! Aber tue es bald, denn meiner Erfahrung nach greifen Bäder an und Du musst Dich noch bei einer Nachkur davon ausruhen können.
Bertha v. A. schreibt sehr befriedigt von Königsfeld. Sie ist ja in Holland an "Gegend" gewöhnt, da findet sie es da oben auch schön. Am 16. wird sie über hier zurückkommen. Das freut mich, es war sehr nett mit ihr, und ich habe ihr schon die Bettwäsche aufgehoben!! So belebt, wie dieser August war es lange nicht bei mir. Und nun bitte ich den Himmel, dass er unserm Zusammensein gnädig sei. Ob Du bald bestimmen kannst, wann ich Dich erwarten darf?
Für anfang September sei Prf. L. zu einem Vortrag nach Brüssel ei[über der Zeile per Hand] ngeladen (oder aufgefordert?) also wird er vermutlich vorher nach Berlin kommen.
Du siehst, ich bin schon am Einschlafen, also will ich auch Dir eine gute Nacht wünschen, und damit Schluss machen. Bald darf ich ja sagen: auf Wiedersehen! Mit herzlichen Grüssen auch an Susanne und den besten Wünschen für Eure Erholung
<per Hand>
Deine
Käthe.