Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 12. August 1935 (Heidelberg)


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<mit Schreibmaschine geschrieben>
Heidelberg, 12.8.35.
Mein geliebtes Herz!
Ich bin ganz aus der Ordnung gekommen mit dem Schreiben, und immer noch muss ich die Maschine nehmen, denn wie Du siehst, es geht noch nicht fehlerlos. Es ist auch nicht immer so zum Üben gekommen, denn gerade die Stellung war nicht günstig für die Schmerzen. Nun habe ich drei Tage Schwitzkur hinter mir, die doch entschieden gut gewirkt haben und so will ich die Pflicht und die Freude verbinden und endlich wieder an Dich "tippen",
Von Frau Louvaris habe ich noch nichts wiedergehört. Sie sagte mir, dass ihr Kurs in diesen Tagen ein Examen machen müsse. Da ist sie vermutlich in Anspruch genommen. Und ausserdem ist nun endlic[per Hand] h Regenwetter ei[über der Zeile] ngetreten und der geplante Weg über die Burgen wird zu Wasser werden. Auf alle Fälle habe ich sie gebeten, in dieser Woche mal mit Alfred bei mir Abendbrot zu essen. Den Tag sollte sie bestimmen, aber noch weiss ich nichts.
Und wie steht es bei Euch? Hast Du aus lauter Langeweile das Baden versucht? Heute bekam ich einen Brief von Hermann, der mic[per Hand] h zum 13.9. erwartet. Er schreibt auf der Rückreise von einem Lehrgang des Zentralinstituts am Zemminsee in der Mark, den er sachlich und gründlich nennt. Der Leiter war ein Dr. Walter Köhn. Leider scheint die Unterkunft nicht günstig oder mein Brüderchen leichtsinnig gewesen zu sein, denn er hat sich dabei eine - Ischias geholt. Bei mir ist es bestimmt nicht von Erkältung, denn ich war der Bäder wegen ungemein vorsichtig.
Es ist merkwürdig, ich schreibe fast keine Briefe, aber es vergeht kaum ein Tag ohne dass ich etwas mit der Post bekomme. Auch Günther schrieb mal wieder und wollte sich für die Rückkehr vom Parteitag melden. Das geht nun diesmal nicht. Auch Carl und Änne würden um die Zeit verreist sein, schreibt Hermann, so werde ich in Berlin auf dem Hinweg vermutlich nur die Fräulein Töchter treffen! Ich bin jetzt sehr in Erwartung Deiner Nachricht. Ob Du über die griechische Gesandtschaft in Wien Verbindung mit Herrn Prof. L. bekommen hast? Ich habe den Eindruck, als wenn die Frau ganz und gar die Bestimmung von ihm erwartet. Also ist mir keine Möglichkeit gegeben, einzuwirken.
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| Ich habe sie nur von dem unterrichtet, was Du mir auftrugst. Ihre Abreise hier scheint aber vor dem 18. nicht möglich.
Ganz ungewohnt ist das sanfte Tröpfeln in der Dachrinne! Es scheint ja, als ob nun wirklich mal ein etwas gründlicherer Regen einsetzen wollte, der bei der starken Dürre dringend nötig ist. - Ich habe seit dem 4. nichts von Dir und auch ich habe eigentlich nichts Richtiges zu melden. Man soll durchaus in keiner Weise Ruhe haben. Wie schön könnte sonst jetzt die ungestörte Vorfreude sein. Aber auch die Dachreparatur spukt von neuem, vermutlich weil jetzt das schöne, trockne Wetter zu Ende ist! Und da soll man nicht ans "Spöken" glauben!
In der heissen Zeit habe ich mir ganz das Lesen abends im Bett abgewöhnt, weil man der Schnaken wegen bei Licht kein Fenster aufmachen kann. So habe ich nur ein wenig (und doch noch zu viel) Zeitung gelesen. Die Tage sind immer ausgefüllt, mit Nichtigkeiten! Am Freitag um ½ 1 Uhr kommt Bertha nochmal und dann - - ?
Ich wünsche Euch möglichst ungestörte Zeit und gute Stimmung. Denn das gehört zur Erholung und ist eigentlich die Hauptsache. Wenn es nicht so amüsant dort ist, dann kann es doch behaglich sein. Sind nicht unter den Kindern ein oder das andere, das Dir gefällt?
Mit vielen herzlichen Grüssen,

<per Hand>
Deine
Käthe.