Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 16. August 1935 (Heidelberg)


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Heidelberg. 16.VIII.35.
Mein liebes, geliebtes Herz!
Einmal wieder mit Handschrift - aber sehr eilig! Ich muß Dir aber doch notwendig sagen, wie glücklich mich die bestimmte Aussicht macht, die mir Dein lieber Brief meldet. Es wird ja doch nun nach allen Hindernissen doch endlich sich zum Guten wenden. Bertha v. Anrooy ist da - Frau Louvaris ist abgereist, - und morgen wird sie dir meine Grüße bringen! Ja - das klingt so einfach, aber wie kompliziert verlief die Sache! Gestern abend noch hatte ich mit Frau Professor und Alfred ein gemütliches Zusammensein, das aber schon um 9 Uhr wegen der großen Ermüdung beider ein Ende nahm. Heute begrüßte ich sie noch um 11¼ an der Bahn, ging dann [über der Zeile] vorher zu dem Ingenieur, der den Umbau leiten soll und bekam wieder ausweichende Antwort. Da fuhr ich rasch nach Rohrbach zum Hauswirt und ließ mir die Versicherung geben, daß die Umänderung bis zum Frühjahr verschoben wird. Um 12 war ich zurück, um 12.58 an der Bahn, um Bertha zu holen, - vergeblich. Der Zug hatte nämlich schon 12.27. ankommen sollen - - aber sie war nicht da! Kurzerhand ging ich zum Essen und fand bei der Rückkehr ein Telegramm: Komme 2.43! Sie hatte einen falschen Wagen benutzt und war in Mühlacker hängen geblieben!!!
Jetzt ist sie also da, und wir waren bei schönem aber dunstigem Wetter auf dem Ehrenfriedhof.
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Bertha kann bis Montag bleiben, und wir wollen morgen mit dem Vorstand zusammen sein.
Also am Mittwoch - am Mittwoch! Stündlich denke ich daran und flehe den Himmel an, daß er keine Hindernisse schafft.
Wie werden die 3 Tage für Euch in Kohlgrub verlaufen! Partenkirchen wäre interessanter gewesen. Grüße Susanne sehr herzlich, ich denke ihrer dankbar, daß sie dich zu mir läßt!
Und Dir selbst innige Grüße von
Deiner
Käthe.

[] Auch Bertha trägt mir Grüße auf. Und ich lasse (eventuell) Louvaris‘ grüßen!