Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Susanne und Eduard Spranger, 18. August 1935 (Bahn hinter Stettin)


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Nach Stettin. 18.9 35.
Ihr Lieben,
Diesmal muß ich Euch beiden zusammen schreiben! Es wird in dem schaukelnden Zuge nicht viel werden - aber ich muß Euch doch sagen, wie wohl und heimisch ich mich bei Euch fühlte.
Nun geht es eilig dem Norden zu und die Mitreisenden unterhalten sich, wie kalt es da sein wird. Die Fahrt durch die heimatliche Landschaft mit ihrer Dürftigkeit und <zwei unleserliche Wörter> Ernst, mit den in ihnen versteckten Dörfern und den dunklen Wäldern am Horizont hat mich die ganze Zeit gefesselt. Jetzt fängt es an zu dämmern und dunkle Wolken ziehen auf, aber zum Gewitter ist es nicht gekommen. - Wie gern käme ich und ließe mir von Eurer Reise nach Pankow erzählen! Ob Ihr Euch von der Strapaze meiner Expedierung
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| wieder erholt habt? - Wie hin sind nur 4 im Abteil, aber das Gegenüber hat mit der Nachbarin ein lebhaftes Gespräch angeknüpft, an dem ich diesmal keinen Anteil nehme. Leider hat in Stettin der Zug nicht gewendet, sodaß ich die ganze Zeit rückwärts fahre, Aber ich will mal den Mittagsschlaf nachholen, da merke ich es nicht.
- Schivelbein - die Heimat vom alten Virchow. Nun sind es keine 2 Stunden mehr. Draußen ist eine rabenschwarze Nacht, garnichts vom Mond zu sehen. Da war doch mal wieder der Mondwechsel von Einfluß aufs Wetter, wie die "Fachleute" immer beschreiben.
- Warum sind nur die Tage bei Euch so furchtbar schnell vergangen! In Gedanken bin ich noch bei Euch und sehe Eure behaglichen Räume.
Habt Dank und laßt bald von Euch hören!
Eure
Käthe.