Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 16. November 1935 (Halle)


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Halle. 16. Nov. 35.
Mein geliebtes Herz!
Wenigstens einen Gruß muss ich Dir zum Sonntag schicken, um Dir zu sagen, dass meine Gedanken so viel bei Dir sind. Ich weiß Dich heute und morgen vertieft in die Arbeit für den Vortrag und beschäftige mich mit der Erinnerung an die Kulturmorphologie. Nicht nur das - die Fahrt hierher war einmal wieder so still - besinnlich, wie es mir ein Bedürfnis ist, wie man es aber nur in begünstigten Augenblicken erlebt. - Der Abschied von Berlin war lieb und herzlich und hier fand ich mich mit Lili zusammen, als läge keine Trennung von Jahren dazwischen. Das Einverständnis ist völlig, und die Häuslichkeit in ihrer bis ins Einzelne individuellen
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| Ausstrahlung ist harmonisch und wohltuend. Lili ist ruhiger und natürlicher, und hat eine hübsche Art, allem einen freundlichen Sinn zu geben. - Morgen werde ich eine alte Freundin von Tante Therese besuchen, (die Mutter von Liese Weishaupt aus Leipzig), die krank im Diakonissenhaus ist. Später auch eine Bekannte von der Jugendzeit her - - -
Wenn das Wetter uns freundlich ist, hoffe ich etwas Natur zu sehen, und auch das Museeum, wo Nolde u. Paula Modersohn vertreten ist. So werden die 2 Tage sehr ausgefüllt sein. Aber es ist doch immer Zeit, mit liebevollen Gedanken bei Dir zu sein. Mögest Du Kraft haben, zu wirken, ein Diener des Geistes - dennoch!
Grüße Susanne, und bitte, lass auch Frau Bon einen Abschiedsgruß sagen, was ich neulich abend leider versäumte.
Lili lässt grüßen; und ich grüße Dich innig.
Deine
Käthe.