Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 22. Dezember 1935 (Heidelberg)


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Heidelberg. 22. Dez. 1935.
Mein geliebtes Herz!
In keiner Richtung kommt hier ein vollwertiger Ersatz als Gruß zum Weihnachtsfest! Lange habe ich gesucht, ein solches Messer zu bekommen, wie das verlorene. Endlich ein Messerhändler hier hat es aufgetrieben- aber leider gibt es nur noch diese kleinere Nummer. Die Fabrik hat das Muster nur für England hergestellt und - exportiert nicht mehr. Ich hatte nur die Wahl: dies oder keins. Also mußt Du Dir "lassen genügen." - Und ebenso mit dem Kalender. Der Hintergrund vom vorigen Jahr ist, glaub ich, noch ganz nett. Willst Du da den neuen Block dran befestigen? Es geht ganz leicht! Das Deckblatt kommt ja weg, es ist nur für diese Tage und soll in seiner altbekannten Symbolik zu Dir reden. Es sind immer die gleichen Motive in steter Abwandlung. Macht es doch das Leben auch so! In der Mitte unser Signum in neuer Bedeutung, darüber das Zeitlosenmotiv, und weiter die im Dornicht verborgenen Rosen des Lebens. Solche Rosen waren für mich die Tage bei Euch und werden mir wieder blühen, wenn wir uns hoffentlich bald sehen werden.
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| Es ist doch recht nötig, daß du mich einmal wieder gründlich informierst, denn in Deinem lieben, letzten Brief waren mir recht viel unleserliche Hieroglyphen. Ob Dir mein Maschinengeschriebenes ein wenig erfreulich ist? Mir tut solch eine Stimme eines Predigers in der Wüste immer wohl. Rösel Hecht brachte mir das Original. - Wenn ich nicht überzeugt wäre, daß Du es schon ein paarmal bekommen hast, hätte ich Dir auch das Schriftchen von P. Raabe mitgeschickt, das hier riesig gekauft wird.
Und übermorgen wird also der Vorstand bei mir sein, etwa von 4-9 Uhr. Sie ist in einem recht erregten Zustand durch die Verlobung der jüngsten Tochter bei Winters. - Hoffentlich wird es ein netter Abend - freilich anders, als ich mir gedacht hatte. Aber es soll mich freuen, wenn ihr das Zusammensein über die schmerzliche Veränderung forthilft.
Auch bei Euch wird ein gewisses Vermissen nicht ausbleiben. Aber ich hoffe, die Trennung am 15. ist ohne Härte abgelaufen, und im Hause ist nun eine tüchtige Arbeitskraft eingerückt. Mit den herzlichsten Wünschen und viel lieben Gedanken werde ich bei Dir sein, und hoffentlich kann ich sagen: auf baldiges Wiedersehen!
In Treue und Innigkeit, im Sinne unsrer zeitlosen Verbundenheit
Deine
Käthe.