Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 4. Januar 1936 (Berlin, Postkarte)


4.I.36.  M. L!  Ich muß um Deine Nachsicht bitten, daß ich mit dieser Karte 2 liebe Briefe von Dir eigentlich nicht beantworte und auch mit dem Kalender im Verzug bleibe. Ich benutze die letzten Ferientage noch zur Vollendung einer großen Abhandlung, damit doch eine Spur meines Daseins zu finden sei, für die Akademie. In 3 Tagen habe ich ca je 24 Seiten geschrieben. Das ermüdet die Hand,
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| abgesehen vom Geist, und konsumiert die, ach, nur zu sehr konsumierten Nerven, die ich nach H. mitgebracht und hierher zurückgebracht habe. Abnorme Wärme! S. geht es sozusagen gut, aber sie kommt mit diesen Anspannungen eben auch nicht mit. Die Fahrt von H. nach B. war bezeichnend ruhig: niemand rings um. Am 1.I. war Og. da - bei aller Skepsis vertrauenerweckend. Gestern Anneliese Maier, heut Elisabeth Lüpke mit Töchterchen. Ich baue wohl an der Wissenschaft, aber auch am Ringwall. Es ist ein Unterschied zwischen dem Glauben des Tuns und der Skepsis des Betrachtens. Heut bin ich erschöpft, und S. konnte nicht einmal einen Teil von dem anhören, was ich allein heute handschriftlich geschrieben habe. Ich halte doch noch allerhand aus, spüre es nur am rapiden Verfall der Zähne. Hoffentlich kann ich bald eigentlich schreiben. Dies hier ist nur eine Vertröstung. Übrigens kam langer Brief v. Joh. Wezel. Innigst <li. Rand> Dein E.