Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 3. Februar 1936 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 3.II.36.
Mein innig Geliebtes!
Das ist ja eine große Überraschung, daß ich auf einmal nach Jena schreibe statt nach Heidelberg. Ich wünsche vor allem, daß Du nichts mehr von der Grippe mitgenommen hast und unterwegs nicht Neues auffängst. Denn dazu ist jetzt nur zu viel Gelegenheit. Die letzten Tage werden außerdem viel Anstrengungen gebracht haben. Möge alles gut gehen!
Gestern haben wir ein umfangreiches, aber doch inhaltloses Festtelegramm abgehen lassen. Es ist ganz gut, daß Du in der Adjutantur ein bißchen Ferien hast. Du wirst ja wohl in der Klinik wohnen. Da die Tage noch kurz sind, bleibt auch Zeit zu Besuchen. Also wohl Ada Weinel. Es wäre hübsch von Dir, wenn Du in meinem Namen auch die Frau des Leisetreters in der Kahlaischen-Str. 1 aufsuchtest u. dort ein Bild gäbest
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| wie lebhaft Litt, ich und andere seiner gedenken. Am Sonntag war der Jenaer Redakteur Günther bei mir, der auch von ihm (wie von Prof. med. Veil) erzählte. Dieser Günther ist mein Hörer in m. Privatdozentenzeit gewesen u. steht, ohne verwandt zu sein, mit dem Rassengünther in Verbindung.
Vielen Dank für die Messerhülle!
Ich habe auch heut vor 8 Tagen eine Anwandlung v. Grippe gehabt u. mußte deshalb eine interessante Kirchensache fallen lassen. Am nächsten Tage ging es, obwohl mit einiger Anstrengung schon wieder. Ich konnte die Vorlesung halten u. am Nachm. den Griechentee stattfinden lassen: 12 Personen, darunter 7 Griechen. Dank meinem Einfall, jeden der Anwesenden eine Lobrede auf s. Heimatort halten zu lassen, verlief das Zusammensein recht hübsch. Mittwoch und Donnerstag (vorlesungsfrei) habe ich mich etwas geschont, u. a. die Akademie geschwänzt, zu Hause aber viel gearbeitet. Der Semesterschluß wird schon spürbar. (Dissertationen, Staatsprüfungen.)
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| Sonnabend gingen wir von Wildpark nach Werder. Gestern waren wir bei einer Jahresversammlung der Lietzschen Heime (heut = 50. Geburtstag des Leiters.) Heut Abend redet Petersen in der hiesigen Goethegesellschaft. Seine Frau hat einen Autounfall gehabt. - Die Lektüre der Temps ist jetzt außerpolitisch sehr lehrreich. Ziemlich dicke Luft.
Die Reise Wien - Budapest - Olmütz - Prag ist genehmigt. In der anderen Sache sind wir "grundsätzlich", d. h. vorbehaltlich näherer Erwägung, für 1 Jahr entschlossen. Aber es hat sich bisher darin nichts ereignet.
Es waren immer Korrekturen zu lesen. Leider nicht für den Wehrvortrag. In den Vorlesungen hält sich der Besuch - stabiler als je. Es ist sehr schwer, hinter den oder die Vorgänge zu gucken.
Ein angenehmer Gedanke, Dich so viel näher zu wissen. Du kommst ja auch durch Weimar. Innige Grüße und Wünsche in jeder Hinsicht. - Ende der Woche kommt die Schwägerin aus Gumbinnen, und dann Seitz nach Potsdam. Die Kolonialsachen werden zeitgemäß. Dein Eduard.
[Fuß] Sus. grüßt mit mir.