Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 12. Februar 1936 (Berlin)


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12.II.36.
Mein innig Geliebtes!
Zunächst mal was Geschäftliches. (Ich schreibe in der Sprechstunde und kann jeden Augenblick unterbrochen werden, obwohl der Betrieb immer kleiner wird.) Ich soll eine Privatschule empfehlen für 2 14jährige Mädchen von den Philippinen, die spanisch, frz., engl. aber wohl wenig deutsch können, also doch sehr individuell behandelt werden müßten. In schöner Gegend, auf dem Lande, Gelegenheit zum Reiten und Schwimmen. Ich habe eben an Kattenhorn gedacht und schreibe hin; es ist ja nicht sicher, ob es noch besteht. Aber Du bist jetzt in Jena, bald danach in Heidelberg, zwei an sich geeigneten Orten, und könntest wohl an beiden Stellen einmal nachfragen. So.
Ich danke für Deinen lieben Brief (auch den Besuch bei L.) und freue mich,
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| daß Du gut aufgehoben bist, obwohl mir die Arbeitszeit ein bißchen lang scheint. Aus Heidelberg kam eine Schreibmaschinendanksagung.
Ich bin nun doch an der üblichen Nervengrenze des Februar. Seit 10 Tagen bin ich überhaupt nicht mehr spazierengegangen. Sonnabend Nachm. waren Wachsmuth mit Frau, und Frl. Siemering da, abends Theater mit den 3 Conradschwestern, Honig u. s. Sohn. Natürlich sehr spät. Das Suchen und Nichtfinden von Papieren macht mich ganz krank. Es hat mir den Sonntag völlig verdorben, wie es überhaupt immer schlimmer damit wird. Frl. Silber fehlt und ist nicht zu ersetzen. Auch sonst fehlt es ja nicht an Nervenattacken; das meiste, was vorkommt ist ärgerlich. Nichts funktioniert recht. Exc. Solf ist gestorben, wie Du weißt. Auf m. Anfrage wegen des kriegspsycholog. Vortrages kam eine ganz labbrige Antwort: wird für
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| Interessenten vervielfältigt, d. h. also hektographiert. (Dies nach 7 Wochen Wartens!) Die Arbeit häuft sich zum Schluß der Vorlesungen. Ich habe heut mehrere Briefe geschrieben wegen der Vortragsreise; die ist ja auch schon nah.
Am Sonntag werden wir bei Glasenapps sein, die jetzt Hrn Seitz von Hamburg abholen. Er hat von der Goldküste aus geschrieben.
Ich habe in späten Stunden und kleinen Portionen den "Büffelbrunnen" gelesen. Die erste Hälfte ist wirklich fabelhaft poetisch. Dann flaut es ganz ab.
Im Temps steht viel Interessantes. U. a: daß die kommunistische Akademie der Wiss. aufgehoben ist und in die alte Petersburger Akademie aufgeht. -
Es kommt gleich jemand. Hoffentlich hat sich der Stimmritzenkrampf nicht wiederholt. Ist die Ursache psychisch (z. B. Reisefieber?)
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| Kann man nicht mit milderen Mitteln vorgehen als dem, das in dem Fläschen ist? Gottlob tritt ja diese Quälerei nur selten auf. Sie sollte sich aber garnicht wiederholen.
Ich packe die Zettel schnell ein, um sie heut noch wegzubringen, und schließe mit herzlichem Gruß wie mit guten Wünschen für die Rückreise.
Dein
Eduard.

[] Stoy u. Trüper existieren nicht mehr? Aber es gibt doch wohl Ersatz - ev. auch in Weimar oder Rudolfstadt.