Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 28. August 1936 (Partenkirchen, Gedicht)


Ein Menschenalter sind wir vereint;
Wir sind es in "Liebe", und haben gemeint:
Wir hätten des tiefen Wortes Sinn
so leichthin erfaßt von Anbeginn
Heut frag' ich: gab nicht zu jeder Stund'
Ein schmerzliches Leiden den Hintergrund?
Und haben wir je mit fröhlichem Mut
Auf der Woge der Gegenwart geruht?
Und ich frage Dich wieder: schien nicht hinein,
Die herrlichste Sonne, Du Schwester mein?
So blicken wir voller Andacht zurück:
Es war lauter Reichtum, es war lauter Glück.
Nicht aber "zurück"! Nicht "vorwärts" nur!
Beides ist Wahrheit! - Die tiefere Spur
Läßt mitten im Dunkeln im wirren Geschehen
den heiligen Schimmer des Ewigen sehen.
Das ist die Liebe: immer voll Leid,
Immer voll Glück; zu sterben bereit.
Was kann uns scheiden? Nichts in der Welt!
Wir ruhen in Gott, der in Händen uns hält.
Partenkirchen, den 28. August 1936.
Ewig Dein
Eduard.