Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 4. September 1936 (Berlin/Dahlem)


[1]
|
Dahlem, den 4. Sept. 36.
Mein innig Geliebtes!
Es sind genau 7 Tage her, daß wir in München Abschied nahmen. Ich hoffe, daß Du Dir von dem Keuchhusten nichts angeeignet hast. Meine Fahrt war gut. Von Leipzig an war ich mit dem Oberschulrat Hübner und dem OSt.Dir. Schmidt, dem jetzigen Nachfolger von Schwalbe, zusammen. Der letztere hat im Frühjahr das 100jähr. Jubiläum seiner Anstalt gefeiert.
Die Operation von Frau Henning ist vorüber. Seit Montag ist sie wieder im Hause und auch schon wieder außer Bett.
Am Montag nahm mir Lubowski ein Goldgehege mit 2 anhängenden Zähnen und 3 noch verwurzelten Zähnen heraus. Seitdem bin ich jeden Tag bei ihm. - Sonntag trafen wir uns
[2]
| mit Seitz und den Damen v. Glasenapp auf der Insel Lindwerder. Dienstag tauchte plötzlich Lore auf, die schon seit der Olympiade hier ist. Sie wollte eigentlich nach Ostpreußen weiterfahren; da sie aber die Nachricht erhalten hat, daß Heyse nach Göttingen versetzt wird, bleibt sie zunächst hier und wird vielleicht von heut an bei uns logieren. [li. Rand] } abends nicht eingetroffen. Mittwoch waren wir bei Frankes, die demnächst nach Oberbayern abreisen. Gestern hatten wir einen dreiteiligen Kaffeebesuch, der sich (leider) 3 ½ Stunden in die Länge zog. Sonst aber bin ich schon nach Kräften wieder tätig, obwohl sehr bald schon wieder (vielleicht infolge von Sturmwetter und Zahnaffäre) ein Zustand schneller Ermüdbarkeit eingetreten ist.
Du wirst demnächst einen eingeschriebenen Brief von mir erhalten, den Du am besten ungeöffnet aufbewahrst. Er enthält Susannes und mein gemeinschaftliches Testament in Abschrift, mit einigen praktischen Notizen für Dich - jedoch ohne persönliche Anrede,
[3]
| die man nicht mit geschäftlichen Angelegenheiten vermischen soll. Das Original, das im strengen Sinne, weil allein eigenhändig geschrieben, allein rechtsgiltig ist, erhält Frau Jenny Honig, Potsdam Behlertstr. 36. Im Fall des gleichzeitigen (oder kurz aufeinanderfolgenden) Ablebens von Susanne und mir forderst Du Frau Honig auf, ihr Exemplar dem für Dahlem zuständigen Nachlaßgericht einzureichen, schickst aber auch Dein Exemplar, nachdem Du Abschrift genommen hast, an die gleiche Stelle. - Die Sache hat tagelang Arbeit gemacht.
Von Partenkirchen habe ich noch nichts gehört. Einzelheiten versinken schnell, wenn man wieder in den Kampf des Tages zurückkehrt. Das Zusammensein mit Dir leuchtet in unverminderter Kraft nach und stärkt mich - obwohl man eben "müde" ist.
Susanne läßt Dir herzlich für Deine süße Gabe danken. Das beiliegende
[4]
| Bildchen bezeichnet sie als Ormuzd und Ahriman. Ich finde Ahriman sehr sympathisch.
Kram nicht zu viel u. nicht zu anstrengend. Ich werde am Sonntag mit der gleichen Beschäftigung anfangen und vieles Papierne amputieren müssen. Denn es ist schon für mich zum Ersticken - geschweige für andere.
Viel innige Grüße und Wünsche. Alles Gute auch für den Vorstand!
Immer Dein
Eduard.