Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 5. Oktober 1936 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 5. Oktober 36.
Mein innig Geliebtes!
Dein lieber Brief, der ja im ganzen Zufriedenheit meldet, hat mich sehr erfreut. Nun kommt noch eine wichtige Frage, die aus dem Empfinden entschieden werden muß: nämlich ob wir uns vor der Schiffsreise noch einmal sehen wollen. Eigentlich haben wir ja in München Abschied genommen. Dort haben wir jede Wendung vermieden, die dem Herzen die Stunde zu schwer machen könnte. Falls wir uns noch einmal sehen, müßte das beiderseits ganz ebenso gemacht werden.
Wir kommen am 12.X nach Mitternacht 1.22 durch Heidelberg, im Schlafwagen. Da geht es bestimmt nicht. Wohl aber wäre es möglich in Frankfurt. Dort könnten wir
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| [über der Zeile] am Sonntag 11.X. schon um 18 Uhr eintreffen und dann um 23.32 in den Schlafwagen des durchgehenden Zuges einsteigen. Du müßtest mit Sonntagskarte nach F. kommen und, falls Du nicht bei Weises übernachtest, wieder zurück:
ohne{ Frankfurt  21.00.    22.31.
Gewähr  { Heidelberg  22.27.    23.53.
Bei gutem Wetter würden wir noch etwas an den Main gehen. Der Plan käme nur in Betracht, wenn Dein Befinden danach ist und wenn Du Dich in jedem Sinne kräftig genug dazu fühlst.
Am Sonnabend Vorm. habe ich erst Englisch getrieben, dann mit Frl. Silber geräumt. Nachm. Frl. Dorer (cf. Hermine Kleiser) und ein Türke. Abends rein diplomatisches Diner in voller Gala beim jap. Botschafter mit Herrn v. Dirksen, Frau .......... v. D., dem Berner Gesandten v. Weizsäcker u. anderen vom A.A. Gestern Sonntag früh Wenke, dann Ludwig, dann Besuch bei Tigges, Sonntag bei S.s Familie in Potsdam. Abends Ärgernis mit Lore, die doch pathologisch ist u. Korrespondenz mit Amtsstellen. Heut früh Zahnarzt, dann Frl. Gruner, Radioaufnahme bis Donnerstag verlegt. Besuch bei Wiegand wegen s. Befindens nicht möglich. Dann kam Adelheid mit Hermann, auch Lore, alle in der Weiterreise. Heut Nachm. ist noch Pestalozzi<re. Rand>Konferenz, ev. auch Besuch bei Imhülsens.
Viel innige Grüße u. Wünsche Dein Eduard.