Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 17. Januar 1936 (Heidelberg)


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Heidelberg. 17. Jan. 1936.
Mein geliebtes Herz!
Eigentlich hatte ich garnicht vor, den Gruß am letzten Sonntag ausfallen zu lassen. Ich war doch so sehr erfreut durch Deinen lieben Brief und das Kalenderchen. Habe innigen Dank für beides. - Aber es gab allerlei Arbeit mit Räumerei, denn der Traum mit der Kammer auf dem Speicher ist ausgeträumt; die Eigentümer wollen sie wieder für sich haben. Im Grunde ist es ja nur der allgemeinen Sachlage entsprechend, daß man sich verkleinert in seinen Bedürfnissen und ich nahm es nicht schwer. Nur war doch wieder allerlei Kram dort aufgespeichert, der teils fortgeschafft, teils anders untergebracht werden mußte. Es ging aber alles recht gut.
Aus einem geplanten Ausflug nach Schönbrunn ist nichts geworden, da die Kinder dort Windpocken hatten. Nun unterbleibts wohl wieder bis Fastnacht. - Und Du hast unterdessen zwei große Vorträge gehalten! Daß Du befriedigt von Hannover zurückkamst, hörte ich mit Freude durch Susannes lieben Brief, für den ich Dich bitte, ihr herzlichen Dank zu sagen. Würdest Du wohl auch daran denken, Brosius für eine Grußkarte zu Neujahr meinen Dank zu sagen?! Weißt Du, was er mir für ein Bild schickte?: Eine Trauerweide im Rauhreif!!
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Ja, ich fühle immer sehr deutlich die unbeirrte Sicherheit, mit der Du das kulturelle Niveau verteidigst. Eigentlich möchte ich besser sagen: vertrittst; denn das scheint mir ja gerade das Große, daß es nicht mit irgendwelcher Polemik geschieht, sondern ganz einfach im Geist der Sache. Wie schön, daß sich wieder Eigenes in Dir frei gestaltet. Wie freue ich mich, wenn erst die beiden großen Abhandlungen fertig dastehen werden! Jetzt kommt ja zunächst noch das Korrekturenlesen.
Du mußt doch nicht denken, daß ich im Fröbelbrief irgendwelche Parallelen mit dem gesucht hätte, was zwischen uns lebt und webt. Lediglich vom pädagogischen Enthusiasmus meinte ich, daß ich ihn nicht verstanden hätte, wenn ich ihn nicht in Dir mitgefühlt hätte. Und bei aller Wissenschaftlichkeit diesen Hang zum Symbolischen, zum Deuten und Vorausfühlen, dieses mystische Rankenwerk, das sich um die nüchternen Tatsachen schlingt, das ist mir so ganz aus dem Eigensten verständlich. Aber gerade das gibt doch die persönliche Note, die nicht mit Worten auszudrücken, sondern nur mitzufühlen ist, und ich denke garnicht daran, ein Wort zu suchen für das, was über alle Worte ist, mein Einziger. - Aber ich verstehe, ich weiß, daß alles immer neu errungen sein will, und ich glaube daran, daß wir die heilige Flamme in Treue bewahren werden. Ist es nicht doppelt schön, wenn sie in neuem Glanze leuchtet? - - -
Vorhin war Marga Jannasch da, die ich zum Abendbrot da behielt und die, wie es scheint, Anschluß sucht. Sie ist
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<hier fehlt mindestens eine Seite>
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| unter der Tür eingeschoben und ich bin nicht immer gleich da, wenn sie kommt. Man weiß nie, was andere herauslesen könnten.
Für den lieben, ausführlichen Brief vom 7. danke ich Dir noch einmal ganz besonders. Ich könnte noch viel darauf antworten, aber ich will lieber den Brief jetzt noch zur Post bringen, daß er wenigstens diesmal pünktlich ist. Sei innig, innig gegrüßt von
Deiner
Käthe.