Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 27./28. Januar 1936 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg, 27.I.1936.
Mein geliebtes Herz!
Heute morgen kam Dein lieber Brief und erfreute mich innig. Habe Dank! Antworten will ich heute nur auf die Frage wegen des Vorstands. Alle Welt will einen Rat und da ist doch wirklich nichts vorzuschlagen! Aenne selbst braucht in der Tat eigentlich nichts, was sie nicht täglich hätte. Wein ist verboten, Autofahren nicht erwünscht wegen der Erschütterung, und dann hat sie dafür ja die Nichte in Ludwigshafen. Blumen wird sie in Fülle von den hiesigen Freunden bekommen, also wüßte ich wirklich als Bestes nur ein Festtelegramm. Was meinst Du dazu? Das macht ihr sicher Eindruck.
Ich bin wenig bei ihr gewesen, da ich mich mit einem grippeartigen Katarrh herumschlage, wie ich ihn seit Jahren nicht hatte. Zum Glück ist er wohl jetzt über den Höhepunkt. Er saß zum erstenmal auch in den Bronchien. - Es ist auch nötig, daß die Sache rasch zu Ende ist, denn morgen kommt Aennchen. Und am 3. - höre und staune - werde ich nach Jena fahren, wohin mich Prof. Seidel für Augenspiegelbilder kommen läßt. Es soll etwa 10 Tage in Anspruch nehmen. - Inzwischen [über der Zeile] Bis dahin geht hier die Arbeit
[2]
| für die Frauenklinik weiter. Es gibt eine Reihe von Wandtafeln; aber da es erst im nächsten Semester gebraucht wird, schadet die Unterbrechung nicht. Diese Woche wird noch ein Bild fertig. - Es ist gut, daß meine Schwester kommt, das wird mich beim Vorstand ungemein entlasten.
Sonst - nichts Neues in Insterburg! Wenigstens nichts Erfreuliches. Tout comme chez vous! Auch mit der Hartnäckigkeit, aber bei gutem Appetit!

Am 28. früh! Also nur noch Schluß, ehe ich den Brief mitnehme. Ich hatte gestern nicht mehr ausgehen wollen und die Vorsicht ist mir gut bekommen. Es geht mir heut entschieden besser. Hoffentlich steckt sich meine Schwester nicht an, aber da ist nichts zu ändern. Sie kommt ins Schlafzimmer und ich aufs Sopha, das geht sehr fein. Und Deine Bemerkung, daß sich schon Rat finden wird, wenn Du wieder herkommst, ist mir richtig wohltuend. Denn ich weiß auch schon, wie!
Sei in herzlicher Liebe gegrüßt von
Deiner
Käthe.