Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 13. Februar 1936 (Jena, Postkarte)


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Jena, 13.II.36. M. l. H. Nun bin ich also doch noch immer hier, denn die Vorbilder nehmen kein Ende. Vermutlich werde ich erst Montag oder Dienstag - (ich hoffe M.) - zurückreisen können. Heute abends wird alles was mit der Klinik zu tun hat, von den Ärzten bis zur Putzfrau, nach Weimar ins Theater fahren. So werde ich also den Raum auch kennen lernen, wennschon nicht auf "klassische" Art, sondern vermittels Volksgemeinschaft und: Lustige Witwe!! - - Diesen Anfang nahm ich mit in die Klinik, und da brachte man mir - höchst unerwartet - Deinen lieben Brief. Habe vielen Dank! Wegen der Anfrage werde ich noch Erkundigungen einziehen, z. B. bei Ada W., bei der ich gestern abend mit der Schwägerin von Lili Sch. war. - Trüper soll noch existieren, z. T. für Schwererziehbare, aber auch für andere. - Die Arbeit ist nicht so anstrengend wie das Mikroskopieren, und der Arbeitsplatz sehr hell und bequem, also nicht sehr anstrengend. Ich brauche nur viel Intuition, da die Skizzen wenige Striche sind und ich eine Netzhautablösung nie in natura sah. Den
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| Stimmritzenkrampf bekommt man von starkem Hustenreiz. Es ist so eine Art Keuchhusten. Und das Mittel gebrauche ich nur im äußersten Notfall aber es muß bereit sein, denn sonst kommt es zu spät. - Sonnabend abend soll ich bei Frau Scheibe sein, also Du siehst, die Vergnügungen drängen sich. Da ich sonst gar nichts zu tun habe, als zu zeichnen, finde ich mein Leben sehr bequem. Und die Gesellschaft hier ist durchgängig sehr erfreulich. Für heut nur noch viele Grüße, auch an Susanne. Bald schreibe ich wieder. Herzlich D. K.