Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 13. März 1936 (Heidelberg)


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Heidelberg. 13.III.36.
Mein geliebtes Herz!
Nun bist Du doch am 12. ohne einen Gruß von mir geblieben! Ich habe eigentlich nur aus Indolenz versäumt, rechtzeitig zu schreiben. Teils sitzt mir immer noch der Katarrh im Kopf, teils haben mich die Ereignisse etwas betäubt. - - Dabei denke ich doch eigentlich bei allem an Dich, und meine innigen Wünsche begleiten Dich stündlich. - - Am Sonntag in Ursenbach war natürlich von Dir die Rede, und am Abend nach der Rückkehr, ging ich noch - staune nur - mit Rösel ins Theater: die Kronprätendenten. Wie lebhaft dachte ich da der Zeit, als wir es gemeinsam lasen. Weißt Du es noch? Und nun jetzt! Ist es ein Königsgedanke, was die Reichstagsrede sagt? Wird er den Sieg behalten? Warum ist man so bange? Sollte man nicht auch den Glauben an die Vernunft in der Weltgeschichte festhalten? Warum fühlt
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| man sie nur als elementare Katastrophe, wenn man sie in der Nähe sieht? Ist es nicht Pflicht, zu glauben und damit Kraft zu werden?
Du wirkst für Deutschland in dem Sinne, der von politischen Fragen unabhängig ist. Du gibst von dem, was Deutschlands Größe ist auch in den Zeiten seiner politischen Ohnmacht. Das sind die Mächte an deren Unvergänglichkeit ich glaube, allen äußeren Schicksalen zum Trotz. Und unvergänglich ist unsre Verbundenheit in diesem Geiste - was auch geschehe. Du schriebst es rückblickend zum 25. - - es soll auch für die Zukunft gelten! - - Nun bin ich schon wieder für Deine lieben Briefe in Sorge. Sie liegen im Bankfach - ob bombensicher?? - Hast Du meinen Dankbrief und den in Budapest bekommen? Ich grüße Dich vieltausendmal und wünsche noch schöne Reisetage nach allen Erfolgen und eine glückliche Heimkehr. Von Herzen
Deine Käthe.

[li. Rand S. 1] Was ist mit L. in Jena?