Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 28. März 1936 (Heidelberg)


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Heidelberg. 28.III.36.
Mein geliebtes Herz!
Damit doch endlich wieder der gewohnte Rhythmus entsteht, möchte ich Dir wenigstens einen kurzen Sonntagsgruß schicken. Inhaltlich ist nichts zu melden. Man lebt so weiter unter dem Damoklesschwert.
Es ist nun Frühling hier, die Blüten stehen unmittelbar vor der Entfaltung, Pfirsich und Zwetschen sind schon in voller Blüte. Heut werde ich mit Rösel nach Schönau gehen, wo es natürlich gegen hier noch zurück ist. Aber dort möchte sie einigen Freunden noch den Sinn stärken. - Gestern hatte ich einen äußerst liebenswürdigen Brief von Prof. Seidel, der sich nochmals bedankt. Fabelhaft! Da könnte man förmlich eitel werden. - - An dem
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| bewußten Bauzaun auf der Brücke steht jetzt: Daß wir hier bauen, verdanken wir dem Führer.
Von Stolp habe ich seit damals nichts mehr gehört. Ob das ein gutes Zeichen ist? - Hier erzählt man sich viel von dem Aufenthalt des Führers in Ludwigshafen. Es seien viel Verhaftungen dort vorgekommen.
Wie gerne würde ich mich an den östlichen Plänen erfreuen ohne die Gewitterwolken, die jeden Tag zu einer Entladung führen können. Und dann wäre Eure Situation doch sehr schwer. - Vielleicht konsolidiert sich die Welt noch bald, dann wäre es so viel leichter.
Nimm vorlieb mit dem treuen Gedanken und dem guten Willen. Grüße Susanne und nimm selbst echte, warme Frühlingsgrüße von
Deiner Käthe.

[li. Rand] Mein Fuß ist heil und ich nehme Articmin!
Ich freue mich Deiner kirchlichen Interessen

[li. Rand S. 1] Entschuldige das Malör mit den Füllfederhalter!!